Lorenzo Milchkrauts Traktat zu wahrhaftigeren Wahrheit
Die zentrale Frage des Clariter, Kirchengelehrten und Logikers Lorenz Milchkraut im 37. Ratsjahr:
Geboren aus Logik
„Wenn sich die Heilige Clara in so vielen unterschiedlichen Landen zeigt und Teil so vieler verschiedener Konfessionen ist, dann können diese Glaubensrichtungen trotz all ihrer Unterschiede nicht grundsätzlich falsch sein. Vielmehr muss es hinter allen Clarareligionen eine noch wahrhaftigere Wahrheit als die von menschlicher Schrift erfassbare Wahrheit geben, welche die Heilige die Menschen schauen lassen will. Denn jene Kraft, welche Clara zur Heiligen erhob, müsse überall dort wirken, wo dies geschah oder aber überall dort, wo die Heilige wirkte er- oder überzeugte sie eine solche Kraft.
Wenn zwei Reiche zwei unterschiedlichen Sonnenkulten huldigen, ist damit ein Wille der Gestirne noch nicht bewiesen. Eine leblose Sonne könnte sich nicht gegen einen falschen Kult wehren. Die Heilige Clara hatte als Mensch aber erwiesenermaßen einen Willen. Sie hätte sich gegen falsche Kulte spätestens mit ihrer Heiligwerdung erwehren können. Doch sie wies keine der vielen Konfessionen zurück oder schwieg fortan, sondern zeigte sich und wirkte immer neue Wunder.
Folglich muss sie sich auf Wissen beziehen, welches uns noch verborgen ist. Da die Schrift aber wahr ist, muss es sich um eine wahrhaftigere Wahrheit handeln, d.h. um eine, welche durch Schriftform nicht vollständig beschrieben werden kann.
Gemeinhin kam bislang die Mystik zu ähnlichen Urteilen. Doch sind mystische Erleuchtung nur wenigen bestimmt und würden alle in der Eremitage ihren Rückzug suchen, zerfiele das Staatswesen. So war es bislang an den Klerikern, durch charismatische Reden den Glauben im Volk stark zu halten. Wir aber wollen, dass alle Menschen das Göttliche verstehen. Denn aus eigener Einsicht erwächst die stärkste sittliche Frömmigkeit und daraus eine bessere Welt.
Dialektik von Gelehrsahmkeit und Missionseifer
Wenn wir nun wollen die wahrhaftigere Wahrheit hinter der Wahrheit zu ergründen, müssen wir dies aus besagten Gründen über Gelehrsamkeit tun, müssen für Bildung sorgen und Schulen errichten.
Ohne eine weite Verbreitung der Heiligenlehre Claras wird unsere Forschung aber versiegen. Denn wäre Clara nur in unserem Land erschienen, hätten wir nie erkannt, dass da etwas ist, das wir noch nicht wissen. Dies erkennen wir nur dadurch, dass so viele Konfessionen die Clara gebrauchen. Darum müssen wir die Lehren weiter verbreiten, damit Clara sich auch dort offenbart und wir durch Beobachtung der Art und Weise ihres Wirkens zusätzlichere Erkenntnisse über die wahrhaftigere Wahrheit erlangen. Und anbei bemerkt, machen wir die Welt dadurch auch besser, was uns ein hinreichender Grund schon alleine sein sollte.
Das Ordenswappen der Ordensprovinz der Heiligen Clara zu Trum zeigt einen gelben Kelch auf blauem Grund zusammen mit dem Trumstern. Eine spezielle Kleidervorschrift gibt es nicht. Allein sie soll ohne Protz und Prunk und als klerikal erkennbar sein. Häufig tragen sie einfache braune Kutten.
Wie Clariter leben
Die Clariter zu Trum haben sich der Armen- und Bedürftigenhilfe im Geiste der leibhaftig grundgütigen Heiligen Clara, verschrieben. Es handelt sich um einen tätigen Orden, das heißt, die Clariter arbeiten in ihren Berufen und dies vornehmlich in caritativen Einrichtungen, aber auch durchaus als Berater von Herraften oder Studiosi heiliger Texte. Nur politische Ämter meiden sie, um die caritative Mission des Ordens nicht zu gefährden. Einige leben in den wenigen ordenseigenen Klöstern, die meisten jedoch in anderen Häusern oder auf ewiger Wanderschaft. Immer durchlaufen Novizen mindestens auch eine grundlegende heilerische Ausbildung.
Clariter sind zur Askese und einem vorbildlichen Lebenswandel angehalten, denn ein vortrefflicher Lebenswandel aller Menschen, senkt die Bedürfnisse und damit die Kosten für die Bedürftigenhilfe.
Ungeweihte Clariter nennen sich Brüder und Schwestern, geweihte Priester heißen Pater und Mater.
Ein Gemälde von Albert Dürrstrich zeigt zwei Clariterinnen bei der Armenfürsorge. Sie nehmen den weiten Weg vom Kloster in Kauf, um dem Dorfbettler Lutz einen Tee und ein Törtchen auf die Parkbank zu stellen. Mit solche Taten sichern sich Clariter einen Vorzugsplatz im Himmel.
Verhältnis zu den Kirchen
Clara wird in verschiedenen Kirchen verehrt und sie alle haben Zutritt zum Orden. Innerhalb des Ordens gibt es deshalb kleine Kongregationen, z.B. die ceridische und die sonnenkrichliche Clariter-Kongregation, die sich für die Interessen speziell ihrer Religion einsetzen.
Die Sonnenkirche akkreditierte den Orden schnell und verlieh der Lichtkongregation das Privileg des Kirchenzehnts. Soweit konnte sich die Ceridenkirche trotz der großen Schnittmenge zu Pretoriusanern und Lucretianerinnen (Zweischwestern-Subdomination). Offiziell gelten ihrdie Clariter wegen der religiösen Vielfalt und Frauen in Priesterämtern als legaler, aber nichtkanonischer Orden. Ablehnen konnte sie ihn nicht, da dies ein Affront gegen den von vielen Ceriden gestützten Mutterorden in den Streitlanden gewesen wäre. Und so befindet sich ein Prüfungsantrag vermutlich für alle Ewigkeit in der Schublade des Bischofs. „Es ist ein himmlisches Wunder, dass der Antrag immer noch nicht angenommen wurde! Möge es so bleiben!“, so sprechen die einen. „Es ist ein Wunder, dass er immer noch nicht abgelehnt wurde! Möge es so bleiben!“, so die anderen.
Gründung und Verbreitung
Der Mutterorden wurde im 37. Ratsjahr im Santa Clara Stift der Streitlande gegründet. Seine Aufgaben sind der militärische Schutz und die Pflege der Pilger. Nachdem Missionare einen Tochterorden im weitgehend befriedeten Trum gründeten, war eine kriegerische Ausrichtung nicht nötig. So erhielt die Ordensprovinz eine zivile Note.
Besonders heimisch wurden Clariter im toleranten Fürstentum Werant innerhalb der Sonnenkriche. Der Bischof von Champa sah in ihnen ein nützliches Pendant zu den ceridischen Pretoriusanern und eine Kostenersparnis bei der Armenfürsorge.
Ein berühmtes Gemälde von Albert Dürrstrich zeigt die Clariterprovinzialin Mutter Lorelotte von Bußgnade, wie sie Essen ins Volk wirft.
Die Ceriden in Trum mussten erst wieder an ihre Clara erinnert werden, deren Platz Theodora eingenommen hatte. In Siebenhöfen konnte sich der Orden nach einem großen Stadtbrandes etablieren, als Mönche und Nonnen beim Wiederaufbau halfen. Insgesamt zählt der Provinzorden bis heute aber vergleichsweise wenig Mitglieder.
Ordensstruktur
Die Ordensleitung liegt beim Mutterorden im Pilgerlager und damit beim Propst des Santa Clara Stifts, Haderast von St. Clara, Herr zu Streitland. Die Ordensprovinz Trum leitet eine Provnzialin, derzeit Mutter Lorelotte von Bußgnade. Ihr dient das Stadtkloster St. Prüderbrunn in Riederbrack als Verwaltungssitz. St. Prüderbrunn ist neben St. Nimmersünd zugleich eines von zwei Ausbildungsklöstern.
Innerhalb des Ordens gibt es eine ceridische und eine sonnenkirchliche Clara-Kongregation, die jeweils von Kongregations-Präfekten vertreten werden.
Trumländisches Claritertum ist zivil, hält sich aber eine kleine Garde, die „Lanze Claras„. Diese werden von einem Weybel angeführt und schützen ihre Brüder und Schwestern auf besonders heiklen Missionen. Kaserniert sind sie im Hauptsitzes der Provinzialin.
Brüder bei der Generalprobe für die Armenabspeisung „Schöne Worte statt Brot“ in St, Nimmersünd. Der Bischof von Champa ist ganz angetan von der Kostenneutralität.
Mitgliedschaften
Mönche und Nonnen haben das Ordensgelübde abgelegt.
Novizen und Novizinnen streben die Profess an.
Konversen sind Laienbrüder und -schwestern ohne Weihen. Sie legen nur ein einfaches Gelübde ab, leben aber wie Mönche und Nonnen im Kloster, wo sie handwerkliche und verwalterische Arbeiten übernehmen.
Donaten und Donatinnen sind Laien ohne Gelübde. Sie binden sich lediglich durch ein Versprechen an den Orden. Sie leben in normalen Berufen und wenn im Kloster, dann nur als vertragliche Angestellte. Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedschaften, sind ihnen persönliches Eigentum gestattet und weniger gestrenge Lebensregeln auferlegt.
Clariter sind nicht ausschließlich auf Clara fixiert. Sie anerkennen alle vom Institut für Heiligenforschung zertifizierten Heiligen, deren Wirken mit Claras Geboten konform gehen. Schließlich hatte Clara auf ihren Reisen unzählige Menschen inspiriert, die dann selbst zu Heiligen aufstiegen. Umgekehrt wurde Clara selbst ebenso von anderen Heiligen beeinflusst.
Das Anrufen solcher Unterstützungsheiliger dient auch der Entlastung Claras im Himmel, die dort sehr viel zu tun hat.
Missionierung
Auch das Zivilisieren wilder Völker zählt zum ordentlichen Missionsanliegen. Missionare bringen der rückschrittlichen Welt kostendeckend die Wahrheit des Glaubens näher. In diesem Beispiel ließ ein Missionar eine indigene Buchbinder-Manufaktur niederreißen, um eine Übungsstätte zu errichten, in der die Bevölkerung grundlegende Handgriffe für die Bodenbearbeitung erlernen konnte.
Der Selige Hermann (geborener Hermann Eysenstengel) ist der Schutzpatron der Leidenden und dies ist seine Geschichte:
Es trug sich zu und ist vielerley unter Eides statt bezeugt, wie es sich zutrug, nämlich, dasz im Sommer des 39. Ratsjahres eyne Gruppe Pilger der Pilgergenossenschaft „Gelbe Sonne“ an eynem Ritual wider des Bösen teylnahm. Das Böse war stark und so klagte alsbald eyn jeder, sein Leid sey größer gewesen als das der anderen.
So beschloss eyn Sonnebruder Namens Peter Lammfromm, jeder möge ihm seyn Leyd vortragen und er würde es an eyner Elle mit zehn Strichen anlegen und sagen, wie hoch es sey. Viele Schmerzen und Ungemacht wurden ihm berichtet und manches erklomm sogar die Stufe der sieben. Doch dann trat der Selige Hermann hervor. Er machte nicht viele Worte, wie all die anderen, sondern zog nur eynen Holzschuh aus und drinnen war eyn großes Loch. Und obschon ohne Worte, sprach seyn Blick mehr als tausend und Schweygen trat mit leyser Sohle in den Kreys. Bruder Lammfromm erhob die Elle und sie konnte nicht messen das Ausmasz. Und jeder senkte den Blick und grollte sich selbst voll der Scham über seyn eygenes Leyd, dass sich verlor im großen Leyd des Hermanns wie Tränen im Regen.
Holzschuhe mit Loch werden im Volksmund auch Hermannsschuhe genannt. Sie werden gerne für Bußgänge genutzt und bieten Schustern eine lukrative Möglichkeit, ausgesondertes Schuhwerk hochpreisig als Pilgerwerkzeug zu verkaufen.
Und so machten sie eine Passion und gingen dem Seligen Hermann hiernach und sie klapperten mit allem Klapperbaren und riefen „Lang lebe das Leiyd des Hermanns, klipp, klapp!“. Und von da an ward allen offenbart, dasz der Hermann Geschicht ward, zu lindern das Leyd der vielen durch den vErgleych mit seynem eygenen.
Dies war die erste Wundergeschichte des Seligen Hermanns und viele werden folgen. Denn irgendwann klappert er sicher auch dir über den Weg. Und du wirst ihn erkennen am Klappern und dem leydenden Blick und der merkwürdigen Aussprache, deren Worte vom Kummer der Welt schon verbogen wurden. Dann halte inne
und dein Leyd soll verblassen vor dem Kummer des Hermanns, auf dasz du wieder fröhlich wirst.
ca. 12 Nonnen, Mönche , Laien zzgl. Gesinde + einige mobile Unterwegsmissionare in den Mittellanden. Überwiegend Laien und nur wenige Priester.
Wirtschaft:
Auftragsübersetzungen und und Kopieren von heiligen Schriften, Buchmalerei, Reliquienhandel, Schenke & Hofbetrieb, Klosterapotheke, Bäckerei
Rechtliches:
Dem Caraniterorden und dem Bischof von Champa unterstellt. Wurde gestiftet von der Schöngeistakademie in Gergonsmund. Untersteht weltlich dem Lehensmann von Kaps. Besitzt eine Anzahl undurchsichtiger Dispensverträge für eine stärkere Autonomie gegenüber dem Lehensmann.
Lage:
Im Lehen von Kaps direkt an der Handelsstraße zwischen den Dörfern Kaps und Gasparo.
Baujahr:
65 vor RJ. Neueröffnung 37. RJ
Über das Kloster
Die mildtätige Clara war stets bereit zur Hilfe auch der Geringsten. Und sie machte keinen Unterschied zwischen Brot und Minne, denn beides ist der Seele Nahrung. So gebent den Armen statt auch mal Poesie statt Brot.
St. Nimemrsünd ist in erster Linie eine Klosterfachschule des Claraiterordens. Da der Sonnenschrein im Lehen Kaps lange unbesetzt war, erhielt das Kloster von der Sonnenkirche jedoch auch die kirchlichen Aufgaben des Lehens übertragen. Außerdem beherbergt es Sonnenpilger zum Alisea-Schrein.
Wirtschaft
Die Mönche und Nonnen leben unterstützt von einigen Knechten und Mägden neben Spenden und dem Kirchenzehnt, vornehmlich von seiner Buchwerkstatt, in der es Bücher herstellt, Buchmalerei und einen Kopier- und Übersetzungsservice betreibt Daneben führt es eine kleine Bäckerei und einen überschaubaren landwirtschaftlichen Hof. Zusätzliche Einkünfte erzielt es durch die Bewirtung von Pilgerreisenden, einen Reliquienhandel und einer Klosterapotheke.
Geschichte des Klosters
Erbaut wurde das Kloster 63 v RJ von erfolglosen Ceridenmissionaren, die bald wieder verschwanden. Danach diente es hundert Jahre als Lagerschuppen.
Auf Initiative des Barons von Champa wurde das Kloster im Ratsjahr 37 dem Claraiterorden der Sonnenkirche geweiht. Zunächst stand ihm die Ordensgründerin der Kapsclariter Lorelette von Bußgnade vor, bis sie im Ratsjahr 38 in ein Filialkloster in die Hauptstadt Riederbrach zog. Sodann übernahm die amtierende Vorsteherin Mutter Ursula von Zuchterloh aus Gergonsmund das Kloster.
Ursulas Rafinesse zeigte sich der Notnagel-Lehensmann Elbert Kuhfuß nicht gewachsen. Er ließ sich einige Dispense zur Unterzeichnung unterschieben, die dem Kloster eine stärkere finanzielle und politische Autonomie gegenüber weltlichem einfluss verleihten. Seither liegen beide in einer niederschwelligen Fehde.
Es geht weiterhin das Gerücht, die Mutter Oberin wolle Kuhfuß aus dem Amt treiben, damit die Leitung des Lehens der Klosterverwaltung übertragen würde.
Die Pilgergenossenschaft „Gelbe Sonne“ war eine Gemeinschaft zur Verbreitung und dem Schutz des Pilgerwesens. Ihr wirken dauerte knapp ein Jahrzehnt.
Gegründet wurde die Genossenschaft im 35. Ratsjahr vom trumländischen Sonnen– und surabadschen Ignisorden, angeführt von Pilgerprobst Alistair Elpidius Kirschenhain und seinem Schwertbruder Lammfromm. Nach mehr als vielen Jahren abenteuerlicher Reisen durch die verfluchten Lande Welder, ließen sich die Pilger im 40. Ratsjahr im fernen Lunacrovi nieder, um eine Surabat-Enklave zu gründen. Dort bewirtschaften sie einen Pilgerschrein der Heiligen Alisea. Da die Enklave vollständig dem Hoheitsgebiet Surabats unterstellt wurde, verlor der Sonnenorden alle Mitspracherechte und damit das Interesse an einer aktiven Zusammenarbeit. Bruder Lammfromm und die Sonnenkrieger zogen sich nach Champa zurück.
Allerdings fanden immer noch einige Sonnenpilger den Weg zum Alisea-Schrein, an dem bezeugt die Heilige hinabgestiegen und mit den Pilgern verkehrte. Die Sonnenkirche von Trum gelangte so in den Besitz einer Locke der Heiligen.
Im 41. Ratsjahr wurde die Pilgerstätte durch Dämonen zerstört und der Pilgerpropst Alistair getötet.
Das Genossenschaftslager in Lunacrovi war eine befestigte Enklave des Ignis-Ordens von Surabad. Lange hielten ihre mächtigen Palisaden jeden Feind zurück, jedoch nicht für immer …Alistair und Lammfromm schützen die Pilger vor weldanischen Sumpfmonstern. Das Kaiserreich Welder war viele Jahre die Hauptwirkstätte der Genossenschaft, bis Pilgerpropst Alistair beschloss, das Land als hoffnungslos der Verderbnis anheimgefallen aufzugeben und sich nach bekehrenswerteren Ländern umzusehen. Tatsächlich besagen die Gerüchte, dass dem Ignisorden sein Antrag auf einen Reiseesel als zu hohe Mibilitätsausgabe wertete und sie ihm befahlen, sich dort dauerhaft niederzulassen, wo er gerade war – und das war das gottverlassenes Nest Lunacrovi.