Wege auf Escadon – 11.8.2018

Nach meinem recht bunten Aufenthalt auf der Insel der Erschaffer, habe ich es wieder zurück nach Trum geschafft. Verwirrt und ziellos ob meiner ganzen Gedanken besuchte ich nach langer Zeit wieder meinen lieben Onkel S. in Gergonsmund. Er betrieb dort ein kleines Haus der hohen Künste mit vielen wunderlichen Gestalten. Meinem Onkel ging es nicht gut. Sein hohes Alter und dass er oft vergaß Nahrung zu sich zu nehmen zollte dem ganzen langsam Tribut. Ich blieb eine kurze Zeit und pflegte ihn derweil, so dass er langsam wieder Farbe in seine Wangen bekam, bevor ich erneut aufbrach nach Siebenhöfen, dass mittlerweile meine Heimat geworden ist. Dort trat auch schnell Herr Ekarius auf mich zu und erzählte von einer bevorstehenden Reise, auf die ich als Tross der Siebenhöfener mit Henna und Elder mitkommen mochte. Herr Amateras, den ich auf Westfora während der unsäglichen Kampfgeschehnisse mit Krieg kennengelernt hatte, war auf der Suche nach seinem Novizen und rief nach Unterstützung aus Trum. Also machten wir uns auf nach Escadon.

Der kleine Suchtrupp bestand schließlich aus mehreren gläubigen Kämpfern des Helwarter Ordens, einem Forscher, unserer Siebenhöfener Gruppe und Herrn Walther, einem Poeten aus dem Hause meines Onkels. Und so begann der lange Weg durch die Wälder Escadons…

Nach einiger Zeit fanden wir auf dem Boden des ausgebauten Weges große Spuren Blutes. Ich dachte anfangs, das sei sicher von einem Wildunfall und machte mir keine weiteren Gedanken, während die anderen scheinbar aufmerksamer die Gegend mit ihren Blicken durchsuchten. Stattdessen las ich voller Staunen und Trauer den Brief meines Onkels, den mir Herr Majestro Walther mitgebracht hat. Dort stand der letzte Wille, bevor er wohl aus lauter Not aus einem Fenster sprang, wie mir dieser poetische Bote sagte. Mein Onkel sah in mir eine Kunstverständige und ich weiß nicht, ob er damit richtig lag. Immerhin habe ich mich auf dem Rest des Weges oftmals mit dem Majestro gezankt über Inhalt, Sinn und Zauber der Kunst. Kunst kommt nicht von Können, sondern aus dem Herzen heraus. Und mich macht sie stets fröhlich, während Herr Majestro sich lieber nach dem Leiden sehnt. Merkwürdiger Geselle. Wer möchte schon jede Zeit seines Lebens traurig sein? Dennoch, ich werde mir Gedanken darüber machen, ob dies ein Weg für mich sein kann. Im Andenken an meinen lieben Onkel werde ich es jedenfalls nicht allzu weit von mir schieben und den Herrn Majestro einige Zeit auf seinen Wegen begleiten.

Schließlich führten uns die Blutspuren zu einer Lichtung, auf der eine Gestalt unter einem Baum lag. Wir liefen hin, um zu helfen und Elder erkannte sofort den gesuchten Novizen des Helwart-Ordens. Während den Forscher die plötzliche Krätze befiel und Herr Amateras um Luft rang, versuchte Elder den bewusstlosen Recken zu wecken. – Huch, das reimt sich. Da würde sich Herr Majestro jetzt sicher freuen – Zwei der anderen schliefen derweil ein, nachdem sie eine Kiste fanden und Herrn Ekarius und mir entfielen nach und nach alle Namen der Anwesenden. Ein großer Zauber musste diesen Ort beeinflusst haben und nur sehr langsam konnte uns nacheinander geholfen werden.

Der Novize Aran erzählte, dass er die Kiste einem bekannten weißen Magier eines verfeindeten Kults abgenommen habe, der sich allerdings auf diese blutige und magische Weise gerächt hatte. Auf dem weiteren Weg trug also ich nun die verzauberte Kiste, damit die anderen ihre Waffenhände frei hatten, sollte der besagte Magier plötzlich angreifen, was natürlich auch dem so war. Ich zog mich ganz schnell zurück, sobald ich die weiße Kutte durch die Bäume schimmern sah und die anderen griffen an. Eine dichte Nebelwand fanden sie an der Stelle, wo der falsche Priester ein Ritual mit seinen Schülern durchführen wollte. Eine weitere Wand fanden wir eine Stelle weiter und während wir sie untersuchen wollten, wurden wir erneut angegriffen. Ich nahm ganz schnell die Beine in die Hand und versteckte mich viele Meter weiter hinter den Bäumen, während einer nach dem anderen meiner Gefährten auf den Boden sank. Ich befürchtete schon den schlimmsten Ausgang des Scharmützels, der Priester schien wirklich sehr mächtig zu sein und bangte um meine Freunde und Begleiter. Ich suchte den Wald nach einem Fluchtweg ab. Doch Herr Amateras rappelte sich noch einmal auf und machte den Magier schließlich nieder, bevor er erneut zu Boden sank.

Elder hatte derweil einen Fremden aus einer Falle geholfen und nun lief sie schnell zu unseren Kämpfern und auch ich eilte herbei um zu helfen. Den Forscher, ich glaube er heisst Pietro, hatte es am schlimmsten getroffen. Ein großes Messer steckte in seinem Körper nah seines Herzens. Elder nahm sich ihm direkt an, während ich die restliche Lage überprüfte. Es schliefen wieder einmal mehrere – der Zauber hatte seine Wirkung noch nicht verloren – , Henna hatte eine Prellung an der Brust und Herr Alistair eine Beule am Kopf. Herr Amateras hatte mehrere kleinere Wunden und eine schlimme Wunde am Hals. Elder bedeutete mir, ihn zu versorgen, während Herr Ekarius mir dabei half. Daran werde ich mich nie gewöhnen. All das Blut und dazu Elders grüne Salbe machten die ganze Sache nicht besonders appetitlich. Doch ich schaffte es. Herr Majestro bekam währenddessen immer wieder Elders Zorn zu spüren. Denn als hoher Poet und Mann der Sinne war er selten dazu bewegen abseits seiner Wohlfühlzone zu handeln. Doch schien ihn das nicht sonderlich zu stören und leitete Elders Worte an andere ab, was Herrn Amateras und mich zum Schmunzeln brachte. Kennen wir Elder doch zu gut, dass ihr Zorn nicht zu unterschätzen ist.

Als alle versorgt und wieder halbwegs reisefähig waren, widmeten sich die Kleriker der Nebelwand. Sie begannen Gebete zu sprechen, immer lauter. Der Nebel waberte undurchdringlich zwischen den Bäumen, doch er lichtete sich für Ignis Sonne. Neben mir griff Herr Ekarius in den Nebel und schrie plötzlich laut auf. Er hielt sich seine Ohren und seine Augen. Wir fragten, was geschehen sei, doch er konnte uns nicht hören. Erst nach einigen Augenblicken konnte er zu uns sprechen. An bestimmten Stellen musste man vorsichtig durch die Wand greifen. Denn manchmal tönten dort magische Glocken, die in den Ohren hallten. Ich erhielt auch solch einen Hörsturz an der falschen Stelle. Ich dachte, mein Kopf müsste platzen und in den Augen war es so hell. Meinen eigenen Schrei konnte ich nicht vernehmen und so sank ich stöhnend zu Boden, bis es langsam wieder abklang. Den Rest des Nebels durchdrangen wir vorsichtiger, bis er sich schließlich vollends aufgelöst hatte und uns einen Blick auf einen Schrein bot. Ich ging zurück zu Herrn Walther, der sich vor dem Getier des Waldes ekelte, um ihm zu berichten, während sich die klügeren Köpfe unserer Unternehmung dem Schrein widmeten. Sie fanden dort allerlei Besonderheiten. Schriften in unbekannter Sprache, Pflanzen und Alchemiegerät. Wir nahmen alles auf unserem Weg mit.

Unterwegs lösten der Forscher und der Fremde, der sich als Geschichtsforscher entpuppte die geheime Sprache. Ansonsten geschah nichts Außergewöhnliches mehr. Es war eine schöne Wanderung durch einen Sommerwald. Je näher wir der Waldgrenze kamen, desto mehr Grün war auch wieder vorhanden. Im Herzen des Waldes waren uns die toten und knorrigen Bäume aufgefallen. Es wuchs nur wenig grünes Gesträuch und es wirkte alles sehr dumpf und düster. Auch Vögel hatte man kaum vernommen und ich drehte mich automatsch des Öfteren um, weil ich das Gefühl hatte, verfolgt zu werden. Hatte das wohl auch mit dem Magier und dessen Kult zu tun? Doch Herr Walther, Elder und ich sangen die Bedrückung und Müdigkeit einfach mit lustigen Wanderliedern weg.

Als die Sonne langsam hinter den Baumspitzen versank erreichten wir eine Taverne, in der wir von einem Escardonen verköstigt wurden, der zu unseren bekannten Helwartern Ordensleuten gehörte. Wir ruhten uns nach dem langen Marsch aus und ließen uns von den Forschern über deren Ergebnisse berichten. Aran und der andere Paladin klagten dennoch weiterhin über diese schleichende Müdigkeit, die sie immer schwerer aufwachen ließ, sollten sie erneut in einen Schlaf fallen. Anscheinend hatten wir jedoch mittels der Schriftstücke und Pflanzen eine Möglichkeit gefunden, ein Mittel dagegen herzustellen. Ich habe nicht alles verstanden, es hatte mit fremden Völkern und Göttern zu tun, doch versuchten wir schließlich dieses Mittel mit unseren lückenhaften Kenntnissen herzustellen, damit die beiden nicht wie Dornröschen in einen Schlaf fielen, aus dem sie nicht mehr erwachen mochten. Elder tobte. Sie war absolut dagegen, dass wir hier herumexperimentierten mit Ingredenzien, die wir nicht kannten. Sie hatte ja Recht. Was war, wenn es kein Heilmittel, sondern ein Gift werden würde? Wir hatten nämlich nicht alle Zutaten, die in dem Rezept genannt wurden. Doch hatten wir etwas anderes: Kaiserklee, der äußerst bekömmlich sein sollte und ein Fläschchen mit Feenstaub. Feenstaub! Er war so wunderschön. Ganz fein und goldig schimmernd und es ging ein sanftes Strahlen von ihm aus. Der Geschichtsforscher meinte, dass alles, wo Feenstaub drin ist eine gute Wirkung für den hätte, der es zu sich nimmt. Also würde ein Gift doch seine Wirkung verlieren? Ich glaube das auch! Wie kann sowas schönes auch etwas Schlimmes zulassen?! Ich möchte auch gern Feenstaub haben!

Gesagt –getan. Elder schimpfte noch weiter, als Aran das Mittel trank und nach ihm der andere Paladin. Und wirklich wahr! Die Müdigkeit verflog! Erleichtert lagen sie sich in den Armen. Für den Rest des Abends grummelte Elder noch in ihren nicht vorhandenen Bart und ließ sich aber zeitweilen noch von Herrn Amateras necken, bevor wir uns schließlich um das Nachtlager kümmerten und zu Bett gingen. Der Auftrag war geschafft – Aran war gefunden und gerettet, sowie der Magier ausgeschaltet. Wir können nun zurück nach Trum, wo ich mich meiner Zukunft widmen muss…

 

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