Gepriesen sei die Nacht! - Unter ihrem Glanz! Sie hat uns neu entfacht! - Sie führt uns ganz! Stellara! Stellara! - Mutter der Ewigkeit! Wir tragen dein Licht durch die Zeit!
„Es ist bald soweit!“ sagt Hermann Winkelfing mit bestimmtem Ton zu der versammelten Menge an Leuten, die vor ihm sitzen.
Seine weite Robe strahlt von hellem Grün und ist mit hunderten kleinen gestickten Sternen am Saum versehen, das ihn als einen der Höchsten auszeichnet – einen der acht Leitsterne. „Bald jährt sich die Ankunft Stellaras gesandten Kindes auf Karstfeld.“ Ein Raunen geht durch die Menge. Strahlende Augen sehen entrückt zum Himmel auf. Einige vollführen eine Handbewegung von Stirn zur Brust. „Ich habe den Dorfvorsteher bereits in Kenntnis gesetzt, dass viele unserer Brüder und Schwestern zu genanntem Zeitpunkt in Soodemundt ankommen, jedoch die Leitsterne für Unterbringung und Verpflegung sorgen werden. Er, seines Zeichens ein strenggläubiger Stellavit und unser Bruder unterstützt uns dabei, so viel er kann. Doch nun seid ihr dazu aufgefordert, das eure für dieses größte unserer Feste zu geben.“
Er sieht nachdenkende Gesichter, nickende Köpfe, eifrig reckende Hände, die in die Luft schnellen, kleine Grüppchen, die sich bilden und lächelt zufrieden. Das wird ein großes Fest, von dem ganz Trum hören wird. Alle Anhänger des Glaubens an Stellara wären dazu aufgerufen, dem Fest beizuwohnen – und auch andere. Vielleicht kämen sogar einige Wunderwirker!
Er denkt gerade über einen Beitrag im Wiedener Herold und anderen Nachrichtenblättern nach, als eine junge Frau in schlichtem Grün auf ihn zutritt und ihm etwas ins Ohr flüstert. Er räuspert sich und erhebt abermals seine Stimme. „Und nun, ihr Suchenden, geben wir Stellara, was ihr gebührt. Lassen wir sie unsere Anbetung hören und unsere Stimme gen Himmel tragen!“
Es lösen sich einige Männer und Frauen aus der Menge und treten hinter ihn. Sie alle tragen weiß, mit einem grünen Stern auf der Brust. Dann beginnen sie zu singen und alsbald stimmt der Rest der Anwesenden in das Lied mit ein. Das Lied steigt laut und klingend in den dunklen Nachthimmel zu den Sternen hinauf.
Er fiel nicht… Er wurde gesandt. Wir folgen dem Fall Dem Ruf aus dem All Stellara sieht uns – wir sind erwacht Im Licht, das die Dunkelheit bricht bei Nacht Kein Zweifel mehr, kein Zurück Der Stern ist unser Schicksal, unser Glück Wir knien nicht – wir steigen empor Denn Stellara öffnet das Tor Es wartete nur… auf dich und auf mich Fleisch vergeht – Licht besteht. Was du bist, wird neu gesät Wunderwirker, Zeichen klar - Stellara ist immer da Hast du ihn gesehen…? Oder hat er dich gesehen…? Wir folgen dem Fall Dem Ruf aus dem All Kein Ende mehr – nur der Beginn Der Stern zieht uns alle zu sich hin Im Feuer geboren, im Licht vereint Was war, vergeht – was kommt, erscheint Wir sind nicht verloren, wir sind erwählt Denn Stellara hat uns gezählt Der Stern fiel nicht… Er hat dich gefunden.
Nachdem das Lied verklungen und alle ergriffen beieinanderstehen, sich einige an den Händen halten, sie in die Höhe recken, spricht Herr Winkelfing die heiligen Worte „Gepriesen sei die Nacht!“ Die Menge antwortet im Chor „Unter ihrem Glanz!“ „Möge sie uns leiten!“ beendet er den Ruf.
Dann tritt er zufrieden aus dem Kreis. Er muss in den nächsten Tagen noch weit herumreisen, um die anderen, ihres Zeichens Leitsterne zu treffen. Auch sie würden die Stellaviten informieren, wann und wie das Fest in Karstfeld stattfinden wird. Vor seinem inneren Auge sieht er schon grüne Wimpel mit weißem Stern, singende Lieder, brennende Feuer und einen klaren, von Sternen erleuchteten Nachthimmel vor sich. Er sieht hinauf zu Stellara, spricht ein leises Gebet, vollführt dieselbe Handbewegung, die in der Menge zu sehen gewesen war und besteigt sein Pferd.
Als der Stern vom Himmel fiel, rief er laut in unser Herz, ließ die Erde neu erblühen, heilte Zweifel, heilte Schmerz. Acht sind aufgestanden, acht wie Sterne hell und klar, tragen ihre Flamme weiter, zeigen uns, was Wahrheit war. Und wir tragen ihren Segen von der Stirn bis in das Herz, wo ihr Stern in uns erblüht und vertreibt den letzten Schmerz. Magie fließt durch unsere Adern, ihre Gabe, rein und wahr— Wir sind Kinder ihrer Sterne, und sie ist uns ewig nah… Möge sie uns leiten… Unter ihrem Glanz… Gepriesen sei die Nacht…