Eine ceridische Lektion in Magie

„Ich will deine Frage mit einem Gleichnis beantworten.“ Fürchtegott Hofers Worte klangen bedacht, nachdem er den Bengel mit einer erzieherischen Ohrfeige versehen hatte. Gemächlich schritt er um das Pult und warf einen Blick durch das Fenster der Domschule als suche er dort den Rat des Eynen. Gebannt oder verängstigt, da wird es individuelle Unterschiede gegeben haben, schauten die Schüler gar nicht aus dem Fenster, sondern zu ihrem Lehrer, der Aushilfsweise für Bruder Decius unterrichtete und dies gründlich und tatkräftig verstand.

„Ein Wanderer kam in ein sumpfiges Land. Überall fand er Elend und Leid, wenn überhaupt. Denn vielerorts fand er nur moderndes Menschenflleisch und Gerippe, abgenagt von Fischen. Die Leute berichteten ihm, eine Flut habe das Land überschwemmt, fruchtbare Äcker vermodert und die Sat ertränkt. und so viele Bauern. So ging es ihm Tag ein, Tag aus, bis er an eine blumige Uferung kam. Ein kleines Dorf, die Leute waren fröhlich, das Land fruchtbar.

Die Leute dort lobten das Wasser. Jahrhunderte hatten sie in kärglicher Landschaft gelebt, doch nun sei ihr Boden befeuchtet, das Land blühte, die Ernte ging gut. Sie widersprachen dem Wanderer, der vom Elend der Welt berichtete: ‚Was redest du, uns geht es gut, wir nutzen das Wasser für unser Gedeih, wie kann es da schlecht sein?“

Was denkt Ihr, war die Flut nun ein Gutes oder ein Übel?“

Niemand meldete sich. Der Otto hätte sich gemeldet, aber das hatte er schon und sein blaues Auge mahnte ihn zur Vorsicht.

„Mit der Magie verhält es sich wie mit der Flut. Die kam durch den Bozephalus in die Welt. Ein paar wenige profitierten reichlich davon, aber wurden blind ob der Leiden der vielen. Ja, ein paar Magier zaubern Wunden zu und vertreiben auch den einen oder anderen Geist. Aber wie sieht es mit der gesamten Welt aus? Wieviel Untote, Dämonen, Pestilenzen und dererlei sind durch die Magie in unsere Welt gelangt? Ohne Magie wären sie auf der anderen Seite geblieben. Wie viele Turmmagier, besessen vom Wahn, die ganze Länder verwüsten, werden von einigen Heil- oder Baumagier oder durch den Wert der sogenannten Wissenschaft aufgewogen? Hexen und Zauberer, die Ernten und Brunnen vergiften gegen Münze und niemand vermag die Leute zu schützen vor ihnen denn die Kirche. Doch das kostet und fehlt dann an den Armenküchen und Schulen wie diese! Wer von euch meint nun, dass die vorzüglichen Seiten der Magie das viele Kriegsgrauen aufwiegt?“

Alle Schüler schüttelten den Kopf.

„Vorzüglich.“ Fürchtegott legte die Pferdepeitsche weg und übergab die Kinder der gesegneten Mittagspause.

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