Leichter Regen suchte seinen Weg auch in die leere Hafengasse von Gergonsmund. Es kam den beiden Gestalten gerade recht, abseits von Passanten ihre Gesichter tief in den Gugeln verstecken zu können.
Einer der Männer tippte auf eine Schriftrolle, die er vor dem Regen schützte. Er tippte darauf mit dünnen Fingern, die nie mehr als eine Schreibfeder umschlossen haben dürften. „Nun hat sich der Rat seit Jahren einmal einigen können, aber Ihr schnüffelt herum, wieso?“
„Ihr schnüffelt. Ich zahle nur für das Wissen.“ entgegnete eine schneidende Stimme. „Habt Ihr etwas herausgefunden.“
„Alles beschafft wie gewünscht. Die Fürsten beteiligen sich zu gleichen Teilen an der Landnahme, jedoch fällt es den einen leichter, die Mittel aufzubringen als den anderen.“
„Und Ihr habt diesen finanziellen ‚Schmerz‘ dokumentiert?“
„Bis aufs Kleinste. Das war ein schwieriges Unterfangen und sehr riskant. Riskanter als angenommen, als wir den Preis vereinbart hatten.“
„Sei es drum.“ Der Mann mit der schneidenden Stimme überreichte einen prallen Beutel Münzen und erhielt die Rolle. Als er seines Weges ziehen wollte, rief ihm der Verkäufer nach: „So sehr ich auch nachforschte, ich fand keine Spur zu einem Interessenten für diese Dokumente. Wie wäre ein weiteres Geschäft? Diesmal zahle ich für das Wissen und …“
Weiter kam er nicht. Der Dolch schnitt ihm Luft und Leben ab. Bevor es aus war mit ihm, drangen letzte Wortfetzen in seinen scheidenden Geist: „Bisher niemand. Von nun an schon. Bedauerlicherweise, wer immer es sein wird, wird kein Interesse an solcherlei Nachforschung haben …“
