RITUALKUNDE
Persönlich finde ich es anmaßend, über Dinge zu sprechen, um sie zu vereinheitlichen oder zu standardisieren. Im Nachhinein fühlt es sich oft wie eine Regel an – wie ein Gesetz, das befolgt werden muss.
Dennoch hält mich das nicht davon ab, diesen Text zu verfassen und meine gesammelten Überzeugungen aus knapp einem Jahrzehnt LARP zu teilen. Er beinhaltet also nicht nur meine persönliche Meinung, sondern auch die Erfahrungen anderer Larper. Trotzdem soll all dies lediglich als Idee und minimalistischer Grundsatz verstanden werden – nicht als geschriebenes Gesetz.
Es geht hier auch nicht darum, was Magie ist, sondern ausschließlich um die Thematik der „Ritualkunde“. Von der ersten Idee bis hin zu dem, was nach dem Ritual zurückbleibt.
Interesse geweckt? Dann tauche ein in die Welt der Ritualkunde.
Versetzt euch nun gedanklich in einen Schüler einer Akademie, der die Lektüre „Ritualkunde“ liest.
Hartmann 2016
„Es ist notwendig, die Grundsätze der Magie in- und auswendig zu kennen. Sind diese nicht bekannt, müssen zuerst die Grundlagen der Magie gelehrt werden.“
Selbstzitat: Hartmann Rebus als Lehrer
Lord Hartmann Rebus von Rebus,
ein versiegelter Gewebehüter des Chaotischen Feuers
Ich leite in neunter Generation ein Wirtshaus mit großen Landflächen, Viehzucht und eigenem Weinanbau. Dadurch bin ich Händler und Würdenträger unseres Landes Fáerun.
Ich bin durch und durch Magier, seit ich denken kann. Meine Ausbildung begann bei meiner Schwester Lyla Rebus und wurde später durch Großmeister Alibastor von Azul fortgeführt.
Heutzutage vertrete ich die Lehren der ersten Magiegöttin Mystra.
„Nutze die Magie nicht um ihrer selbst willen!“
Damit andere diese Schande nicht tragen müssen, versuche ich niederzuschreiben und festzuhalten, worauf bei einem Ritual geachtet werden muss.
Ich halte jeden Meister und Großmeister dazu an, sich das Geschriebene zu Herzen zu nehmen, damit ihre Schützlinge nicht dasselbe Schicksal ereilt.
Auch mit vielen Worten ist es kaum möglich, die Komplexität mancher Rituale vollständig festzuhalten (siehe Beispielbild). Einige Meinungen werden sicherlich auseinandergehen, dennoch haben sich die folgenden Grundsätze rassen- und klassenübergreifend bewährt – ob bei Druiden, Schamanen, Klerikern oder anderen magischen Traditionen.
Ein dauerhaftes, festes Heim für Feuerelementare, bespielt über drei Tage auf einer Con.
1. Allgemeine Informationen
Was ist ein Ritual?
Ein Ritual ist ein langsam aufgebautes, in sich abgeschlossenes, stabiles und strukturiertes Magiekonstrukt von großer Macht – im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Spruchzauber. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Magie nach innen oder außen wirkt.
Die Notwendigkeit eines Rituals
Ist es überhaupt notwendig, Magie zu nutzen? Kann das Problem nicht anderweitig gelöst werden? Ist es wirklich vonnöten, in das Gefüge der Magie einzugreifen? Einen Gott anzurufen? Ein Totem zu verwenden? Reichen nicht zwei Kupferstücke oder ein klärendes Gespräch?
Beispielsweise kann Illusionsmagie – die auf Lichtspiegelung basiert – mit Wasser gestört werden. Geister wiederum können mithilfe von Katzen sichtbar gemacht werden. Man muss nicht alles beschwören, wenn man auch einfach dorthin reisen kann.
Rituale können notwendig oder sinnvoll sein – selten jedoch beides zugleich. Denn der Zweck heiligt nicht automatisch die Mittel.
Die Wiederbelebung einer Seele, die nicht zurückkehren möchte, mag notwendig erscheinen, ist aber keineswegs sinnvoll. Andersherum kann ein Magus Adeptus beschließen, sein Schwert noch vor Sonnenuntergang magisch zu erhalten, statt bis zum nächsten Morgen zu warten, weil Regen angekündigt ist. Das mag sinnvoll sein – notwendig ist es jedoch nicht.
Warum gibt es Rituale?
Rituale werden meist durchgeführt, um Mächte zu nutzen, die einem selbst oder der Gruppe normalerweise nicht zur Verfügung stehen. Sie dienen dazu, neue Zauber zu erlernen, bestehende Magie zu meistern oder außergewöhnliche Wirkungen zu erzielen.
Typische Rituale sind:
- Wiederbelebungen
- Dämonenbeschwörungen
- Verbannungen
- Teleportationen
- die Erschaffung magischer Gegenstände
- das Erlernen neuer Zauber
Nach einem mächtigen und gelungenen Ritual sind die Ausführenden grundsätzlich geschwächt – bis hin zur völligen Ohnmacht. Bei einem misslungenen Ritual sind die Folgen selten vorhersehbar. Sicher ist nur: Sie verändern Leben.
Ritualgrundsatz
Ein Meister fällt nicht vom Himmel. Fehler sind notwendig, um voranzukommen – besonders bei misslungenen Ritualen. Darum übe dich in Geduld. Ein Ritual verlangt Ruhe, Disziplin und einen guten Lehrer. Wie mich. — Hartmann.
Rituallänge
Ein Zweizeiler für eine Beschwörung ist ebenso unangebracht wie ein siebenstündiges Ritual für ein Blumenbeet. Überlegt euch vorher, wie lange euer Ritual ungefähr dauern soll.
Kürzestes Ritual: 5 Minuten inklusive Vorbereitung. Beispiel: Wiederbelebung einer seit Jahren verstorbenen Person. Ob erfolgreich oder sinnvoll, steht dabei nicht zur Debatte.
Längstes Ritual: Drei Tage durch ritualisierte Abläufe mit eingeplanten Essens-, Schlaf- und Ruhezeiten, um einen Knotenpunkt zu erschaffen.
2. Ritualvorbereitungen für den Ritualleiter
a) Ausgangszustand – Was muss erreicht werden?
Es ist wenig hilfreich, eine Wiederbelebung im Totenreich durchzuführen oder im Dämonenreich Blumenfelder beschwören zu wollen.
Das bedeutet, es muss:
– ein passender Ort gefunden werden
– Objekte bereitgestellt oder angefertigt werden
– Fragen notiert werden
b) Ort und Zeit festlegen
Ein trockener, möglichst ebener und eventuell schattiger Ort ist die Mindestvoraussetzung. Vermeidet nach Möglichkeit die sommerliche Mittagshitze.
Vielleicht benötigt ihr einen taktischen Rückzugspunkt oder besondere rituelle Kräfte eines Baumes, Feuers oder Ortes.
Auch die Zeit spielt eine Rolle. Nachts sieht man schlecht – und Fehler geschehen schneller.
Ist ein passender Ort gefunden, muss dieser überprüft und magisch analysiert werden. Aber noch nicht gereinigt.
c) Ritualteilnehmer suchen und einweisen
Sucht geeignete Ritualteilnehmer. Dazu zählen nicht nur Druiden, Schamanen, Kleriker, Priester, Hexen oder andere magisch Begabte, sondern auch Ritualwachen.
Diese sollten angemessen entlohnt und vollständig eingewiesen werden – ebenso wie alle anderen Teilnehmer und selbst mögliche Schaulustige.
JEDER Teilnehmer muss über JEDEN geplanten und ungeplanten Schritt informiert werden.
Das letzte Wort hat immer der Ritualleiter.
d) Ritualteilnehmer kennenlernen und abstimmen
Falls dies noch nicht geschehen ist: spätestens jetzt.
Es ist wichtig, die Magie der anderen zu spüren und sich aufeinander abzustimmen. Auch die maximal eingesetzte Magiemenge sollte jedem bekannt sein.
Nun könnt ihr gemeinsam den Platz säubern und letzte Unklarheiten beseitigen.
e) Kurz vor dem Beginn: Aufbau des Ritualkreises
Letzte Fragen, bevor es losgeht:
- Ist genügend magische Energie vorhanden?
- Wie viel Macht nutzt jeder Einzelne und wie viel die Gruppe?
- Wurde genügend Kraft gespeichert oder entladen?
- Was geschieht, wenn ein Ritualteilnehmer verletzt wird?
- Welche Gefahren werden am Ende des Rituals erwartet?
- Was darf hinein oder hinaus – nicht wer, sondern was?
- Gibt es Wörter oder Zeichen, die vermieden werden müssen?
- Benötigen die Wachen magischen Schutz?
- Ist man auf Gefahren von außen und innen vorbereitet?
- Sind alle Komponenten vorhanden und griffbereit?
- Wurden alle Teilnehmer vollständig eingewiesen?
- Wurde die Abstimmung der magischen Quellen durchgeführt?
- Kontrolliert jeder sein eigenes Element ausreichend?
- Passt die Wetterlage? Feuermagier mögen weder Schnee noch Regen.
- Wurden störende Komponenten entfernt?
- Existiert ein Notfallplan?
- Sind Formeln und Abläufe geübt?
- Ist die SL informiert? (OT, aber wichtig.)
Ritualvorbereitung
3. Ritualaufbau
- Zeichnet oder legt euren Ritualkreis an – als Kreis, Viereck, Raute oder andere Form. Wichtig ist nur: Der Kreis muss geschlossen sein. Verwendet hierbei noch keine Magie.
- Sobald die Form feststeht, muss der Bereich gereinigt werden. Entfernt Steine, Äste und andere störende Gegenstände.
- Errichtet anschließend ein antimagisches Feld, um unerwünschte Nebeneffekte fernzuhalten – sowohl von innen als auch von außen.
- Reinigt nun die Luft, den Boden und die Erde unter euch magisch, damit keine fremden Energien verbleiben.
- Überprüft eure Fortschritte. Ist der Kreis noch geschlossen? Gibt es Restmagie? Jetzt kann noch gehandelt werden.
- Füllt anschließend Luft, Boden und Erde mit eurer eigenen Magie. Sie wird euch später unterstützen.
- Pause. Essen, trinken und Kräfte sammeln.
- Führt erneut eine magische Analyse durch. Wenn inzwischen etwas erwacht ist oder sich am Kreis nährt, solltet ihr ernsthaft über einen Abbruch nachdenken.
- Verstärkt eure Schutzkreise, verdichtet sie oder ergänzt weitere Schutzmechanismen. Nutzt Runen oder kurzfristige Zauber zur Absicherung.
- Kontrolliert den Aufbau immer wieder durch magische Analyse. Dafür ist der Ritualleiter verantwortlich.
- Ab diesem Punkt wird jedes Ritual individuell.
Ein kleines Tischritual
4. Ritualabbau
- Kontrolliert den Ort sowie beschworene Objekte oder Wesen mittels magischer Analyse auf Einflüsse, Rückstände oder Probleme.
- Die Arbeit endet nicht mit dem Erfolg des Rituals. Die hinzugefügten Energien müssen abgebaut, umgewandelt oder ihrem Ursprung zurückgeführt werden.
- Lasst euch nicht ablenken. Nicht durch Erschöpfung, nicht durch Sturm, nicht durch panische Wachen und nicht durch einen bewusstlosen Schamanen.
– DU bist der Leiter.
– DU hältst alles zusammen.
– DU bringst alles wieder ins Gleichgewicht. - Nachdem sämtliche Kraft abgebaut wurde, kontrolliert eure Helfer sowie Luft, Wasser und Boden auf Rückstände des Rituals.
- Kontrolle bei Tageslicht auf OT-Gegenstände.
- Bedankt euch anschließend in der Taverne bei euren Ritualteilnehmern für ihre Mühe, Kraft und Treue.
5. Tipps
- Gewandet euch passend. Magie verzeiht keine Patzer wegen eines zu langen Rockes.
- Legt alle benötigten Gegenstände vorher in den Kreis – auch jene, von denen ihr glaubt, sie nicht zu brauchen.
- Denkt an Essen, Trinken und Sitzgelegenheiten.
- Kanalisiert Magie über verschiedene Foki wie Kristalle oder Runenrollen. Das schützt euch vor direkten Auswirkungen.
6. Tipps OT
Denkt immer daran: Ihr wollt Ambiente erschaffen. Das Ritualisieren soll verzaubern. Ihr unterhaltet zuerst die anderen – dann euch selbst.
Ausspielen. Ausspielen. Ausspielen. Auch Fehler und Fehltritte. Nicht jede Idee führt zum Erfolg.
Wie viel magische Macht ihr besitzt, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist eure Erfahrung.
Es gilt: Je weniger LARP-Erfahrung vorhanden ist, aber je mächtiger das Ritual wird, desto schlimmer können die Folgen sein.
DKWDDK? Regelbuch? Die SL steht darüber.
Vor dem Ritual: Toilette aufsuchen, essen und trinken. Während des Rituals: trinken.
Der Ritualleiter meistert nicht nur das Ritual – sondern achtet auch auf seine Gehilfen.
Du hast dich verlaufen?
Hier eine kurze Übersicht, wie das Wiki der Akademie der Thaumaturgie zu Thortmanne aufgebaut ist:
Einstieg von außerhalb über Magiespiel.