Geschichten und Begebenheiten aus Wieden

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Eine Geschichte zu Wieden (aus der Baronie Martal)

Hustend wischt sich der alte Umfried den Schweiß von der staubigen Stirn.
Mehr zu sich selbst als zu den anderen Sensenmännern gewandt stellt er schon ein wenig Stolz fest: „Das wird wieder ein gute Ernte! Wieder einmal.“
Es ist nun schon das vierte Jahr infolge, dass der Boden derart gut trägt und die Ähren groß und voll die Halme biegen. Wenn’s der Eyne so will, macht Umfried im nächsten Jahr auch nochmal eine solche Ernte an der Sense mit. Mit seinen mehr als siebzig Lenzen steht nicht mehr jeder so fest auf dem Boden wie er. Besonders nach so einem aufregendem Leben wie seinem. Als er noch jung war, erinnert er sich, gab es mal ähnlich gute Zeiten. Irgendwann, da muss er so um die Zwanzig gewesen sein, wollte dann ein Winter nicht dem Frühlung weichen. Bis in die Mitte des Jahres hinein gab es in vielen Nächten Frost und ein kalter Wind zog von Osten über das schöne Martal. Die fahrenden Händler hatten ihm damals erzählt, es sein auf ganz Trum so. Sogar der Nebel um Towen soll gefroren in den Sund gefallen sein.
Viele Geschichten und Gerüchte gingen damals um und als der alte König starb, bluteten nicht nur die, die nach ihm kamen, sondern auch das Land. Er selbst kann von Glück sagen, dass die Herolde ihn damals nicht fanden, als sie, Jahr für Jahr, ganz Wieden nach wehrfähigen Männern durchsuchend, auch Martal mit ihren Häschern durchsiebten. Nein, als Kriegsknecht hatte er nicht auf einem der vielen Schlachtfeldern enden wollen. Viele andere hatten nicht so viel Glück mit den Verstecken oder sich vom Sold blenden lassen. Bald zwanzig Jahre ging das so und am Ende lag alles danieder. Ob nun angesteckt, geplündert oder einfach verlassen, viele Höfe verfielen und Korn, Obst und Vieh waren knapp. Umfried blickt sich stolz um und lässt den Blick über die satte Landschaft wandern. „Sowas hatte ich mir nicht mehr zu erhoffen gewagt.“ Lächelnd fällt ihm ein, dass er selbst dabei war in Siebenhöfen als der erste Konvent gehalten wurde. Ihn hatte der Hunger irgendwann in die Stadt getrieben, schließlich gab es ohne Höfe nicht viel zu tun für einen Knecht auf dem Land. Jedenfalls kann er sich genau an den Moment erinnern, als er gerade einen Sack alter Rüben die Straße entlang geschleppt hatte. Zuerst hatte er gemeint zu träumen, bis er dann von einem der Reiter unsanft mit einem Tritt zu Seite gestoßen worden war. Ein nicht enden wollender Zug edler und weniger edler Reiter mit aller Herren Flaggen hatte sich der Straße bemächtigt und zog zum Zentrum der Stadt. Der erste Konvent der Mächtigen hatte begonnen. Der Rest ist auch den Jüngeren bekannt. Vier mal Dreißig Mal hatte er nun schon stattgefunden. Zu jeder Jahreszeit im Jahr und das ist gut so. Zwar gab und gibt es keinen weiteren König mehr, aber das Land blüht wieder. Es war zwar anstrengend, die Höfe wieder aufzubauen und die verwucherte Krume wieder zu Acker zu machen, aber es hat sich gelohnt. Zumal er nun…
„Heda! Umfried! Träumst du wieder von den alten Zeiten?“ Der dicke Wenno Juchtof ist gerade mal 4 Jahre jünger als er und liebt es Umfried zu ärgern. „Da sind noch ein paar Hufen zu schneiden bis zum Abendbrot alter Mann.“ Kurz im Scherz mit der schwieligen Faust drohend wischt sich Umfried nochmal übers Gesicht, packt die Sense und legt wieder los, dass selbst die jungen Knechte kaum folgen können. Ein Jahr macht er noch, das wäre doch gelacht.