Religion – Der Innere Pfad

Sonnengläubige des Inneren Pfades versuchen durch verchiedene spirituelle Praktiken ihr inneres Feuer anzufachen. Die Meisterschaft darin gelingt nur wenigen und die Folgen einer solchen Erweckung sind unvorhersehbar. Einige Meister sollen sehr merkwürdige Fähigkeiten entwickelt haben. So sagt man, einer sei Zeit seines Lebens halbdurchsichtig geworden, ein anderer habe Flammen geatmet, auch von starken Heilkräften ist die Rede. Umstritten ist die Geschichte, dernach sich ein Meister in einen Feuerlöscheimer verwandelte. In der Regel geht die Erweckung aber weniger dramatisch mit einem Anwachsen innerer mentaler Fähigkeiten und Stärke einher, die sich ihrerseits jedoch förderlich auf die Kampffähigkeiten des Glaubenskriegers auswirken.

Der Innere Pfad wurde erst spät entwickelt und geht auf einen Bericht des inzwischen verflüchtigten Priesters der Sonnenkriche, Meister Joquaga Seporutti, zurück, der hier nun nacherzählt werden soll:

Ich will euch erzählen, meine sonnigen Brüder und Schwestern, von einem fernen Land, in dem ich war und entdeckte einen Weg, den zu gehen ich nun beschlossen. Trefft Ihr in Trum und auf Reisen auf Arten des Sonnenglaubens, so begegnet Ihr beinahe ohne Ausnahme dem, was ich den „äußeren Pfad“ nennen will. Wir Menschen sind Teil eines großen Kreislaufes, bestimmt von den Göttern und der Sonne als höchste Instanz. Sie zieht ihre Kreise und hat in verschiedenen Ländern verschiedene Sonnengötter zu ihrer Unterstützung. Vielleicht habt Ihr schon gehört von Solaris, Praios, Sol, von Horu oder von Coron und Merlun. Ihnen wird geopfert und gehuldigt, denn viel ist vom Lauf der Sonne abhängig. Die Ernten, die Reisen, die Seefahrt. So gibt es für jedes einen Heiligen und das ist gut so.

Do in jenem fernen Land traf ich die Bruderschaft des Lichts, deren Weg ich den „inneren Pfad“ nennen will. Rufen spirituelle Wanderer dieses Pfades das Licht an, tun sie das nicht über Götter und Heilige, sondern sie kehren in sich und wandeln dort das Licht in Stärke und innere Führung. So üben sie mehr eine Technik, denn eine Frömmigkeit. Ich habe durch Jahre der Innenschau, Askese und des Übens selbst erfahren, welche innere Macht der Mensch freisetzen kann.

In diesem fernen Land, in diesem uns so fremden Glaubensweg wird gelehrt, dass ein jeder über seine Gefühle seine Verbindung zum Kosmos zu erkennen vermag, wo der äußere Pfad diese Einsicht vermittelt über Götter und Heilige zu bringen vermag, wenn es den himmlischen Wesen denn gefällt, Visionen der Erkenntnis zu schicken. Der innere Pfad sagt: Wenn du fühlst, weißt du, das es da ist. So ist das Gefühl das Werkzeug, die Welt lebenswerter zu machen.

Die Anhänger des Lichts in diesem fernen Land beginnen die Änderung in sich selbst und tragen sie nach außen, wohl wissend, dass das Außen auf ihre Mitmenschen wirkt. Das Außen wird auf das Innen und das Innen auf das Außen. Es ist kein Getrenntes, doch aber muss man an einem beginnen. Der äußere Pfad beginnt bei den Göttern. Kann ein Gebet sie umstimmen, wirken sie im Äußeren auf das Innere der Menschen. Der Innere Pfad wirkt im Inneren der Gläubigen auf das Äußere und ist damit selbst das Äußere der Mitmenschen. Von da wirkt der Anstoß auch wieder zurück zum Inneren der Gläubigen.

Wie nun steht der innere Pfad zu Göttern? Ihre Existenz erkennt er an, wie sollte er auch anders, die Bewqeise sind Allerorts. Jedoch glaubt er, durch den Glauben selbst würden die Götter erst erschaffen. Der Glaube forme aus den Menschen heraus das Licht zu einer manifesten Form und verleihe ihm göttliche Macht, welche dann über eine solche Evokation die Schirmherrschaft über die Gläubigen übernimmt. Die Götter sind daher keine Gespinste, sondern seit tausenden von Jahrhunderten in die Welt geborene Wesen, welche den Menschen helfen, das Licht in die Welt zu tragen und zu schützen. Sie sind da, sie sind mächtig und man sollte es sich mit ihnen nicht verscherzen. In einigen Ländern sind sie leider eitel und dulden keinen inneren Pfad. Doch sind sie wahrhaftig gut, sehen sie, das sowohl der innere wie auch der äußere Pfad zum Lichte führt.

Der innere Pfad kennt vornehmlich drei Tugenden:

  1. Respekt: Nicht nur ist man über die Fäden des Lichtes mit dem Grund der Welt verbunden, sondern ebenso mit den anderen Lebewesen. Versuche ihnen gegenüber respektvoll zu sein und ihr Glück zu heben. Dann strahlt das Licht heller in der Welt. Respekt erzeugt Gemeinschaft und viele sind stärker als der Einzelne. Dies ist die erste Tugend, die man erwerbe.
  2. Geduld: Was den Gläubigen vom Ungläubigen trennt, sind Geduld und Hartneckigkeit. Die Welt kann dich an einem Tag verändern, aber du kannst die Welt nicht an einem Tag verändern. Dein Ansinnen wird Jahre oder länger brauchen und dazu brauchst du Gedult und Hartneckigkeit. Dies ist die zweite Tugend, die man erlerne.
  3. Mitgefühl: Wenn du Hilfst, jemanden anderes Glück zu vermehren, stärkt sich dein Lichtband zur Welt und auch dich selbst, so dass du noch mehr erreichen kannst. Je mehr du hilfst, desto mehr kannst du helfen und desto stärker wirst du auch. Das ist der Ausweg aus der Abwärtsspirale des Eigennutzes. Die Tugend des Mitgefühls ist so stark wie gefährlich. Denn wer stark in dieser Tugend, hilft mitunter, wo Hilfe nicht nur unnötig, sondern auch unerwünscht. Dann richtet er Schaden an. Zu unterscheiden, wann Hilfe gebraucht wird und wer sich selbst helfen kann, ist die schwierigste und letzte Tugend, die man erlerne.

Der innere Pfad ist aber mehr als religiöser Glaube auch eine Übungspraxis. Man kann frommer werden, gottgefälliger, aber solches ist kein Üben, sondern ein Entschluss. Auf dem inneren Pfad üben wir die Beherrschung des Lichts wie ein Handwerk. Ich habe gesehen, wie Meister des Lichts Untote berührten und diese vom Feuer des Guten verzehrt wurden und wie das Licht zur Heilung verhalf. Die grundlegenden Eigenschaften sind hierbei Konzentration,  Willenskraft und der Glaube an sich selbst. Daher sollte der innere Pfad nicht von jedem beschritten werden, denn er kann den schwachen Geist verführen, die Kräfte zum Bösen einzusetzen, wo ein Gott seine Hilfe sonst untersagen würde. Die Kräfte zum Bösen zu verwenden, ist aber ein Spiel auf Zeit, denn dies wirkt selbstzerstörend.

Ich selbst gehe diesen Pfad nun seit vielen Jahrzehnten und es ist meiner. Aber ich habe gesehen, dass er nicht für jeden der richtige ist. In jenem fernen Land gab es keinen äußeren Pfad und so mancher blieb unter seinen spirituellen Möglichkeiten. Deshalb ist es gut, beide Wege beschreiten zu dürfen und beide Wege sollen sich respektieren und achten. Es soll kein Unterschied gemacht werden im Wert des Glaubens zwischen dem äußeren und dem inneren Pfad. Und ich werde niemandem meinen auferlegen, der den Ruf eines lichten Gottes im Herzen trägt.

Alles, was der Sonnennatur eigen ist, das ist auch ganz dem Menschen eigen, der in ihrem Licht wandelt. Darum wirkt so ein Mensch auch alles, was die Kraft des Lichtes wirkt. Er hat zusammen mit dem Licht und der Sonne Anteil an ihrem Lauf und den Geschehnissen in seinem Inneren und auf Erden. Er ist Zeuge des ewigen Sinken und wieder Auferstehen und die Sonne wüsste ohne einen solchen Menschen nichts zu tun.

– Arnboldt von Otternburg, Heiliger und Ketzer