Die darauffolgenden 2 Jahre nach jenem denkwürdigen Tag der Erleuchtung waren eine Zeit der Wanderschaft. Die Entstehungszeit der heiligen Texte des Hilarius, das Luxarium, welches aus den Büchern „colloquium cum dei“, „iudicium dei“ und „voluntas dei“ besteht, wurde von den Jüngern des Hilarius niedergeschrieben.
Im Jahre 4 nach der Erleuchtung siedelte sich Hilarius mit seinen Jüngern in der Nähe von Escandra in einem heruntergekommenen Gutshof nahe dem Dorf Gunara an. Zwei Jahre später jedoch wurde Hilarius krank und verstarb nach einem langen Kampf gegen die unbekannte Krankheit. Das darauffolgende Jahr war eine Zeit der Trauer, der Ratlosigkeit und des Streites, ging es doch auch um die Auslegung der heiligen Texte und um die Nachfolge des Hilarius. Lucius, ein Jünger des Hilarius, scharrte einige Getreue um sich und zog in den Norden in die Baronie Dunkelstein und gründete dort das erste Kloster, den Orden der Bannkreuzer. Pretorius, ein anderer Jünger, zog mit seinen Anhängern gen Süden nach Buchenfels in Ostarien und legte dort das Gelübte der Armut ab. Sie nannten sich fortan Pretoriusaner und suchten ihr Heil in der Besitzlosigkeit und Nächstenliebe. Der ehrgeizige Jünger Cruelius blieb in Gunara und gründete den Orden der Hilariusiten. Im Jahre 12 n.d.E. (nach der Erleuchtung), nach Jahren des Schismas und Streites beschlossen die Ordensoberen ein gemeinsames Oberhaupt zu wählen, welches die Gemeinschaft der Ceriden leiten sollte. Da man sich nicht auf einen der Ordensoberen einigen konnte, erwählte man den alten Eremiten Vastus zum Patriarchen aller Ceriden und zum Primus von Heligonia.
Die darauffolgenden 4 Jahre waren eine Zeit des Gedeihens und des Wohlstandes. Die Zeit der Landschenkungen begann. König Aximistilius II, auch der Gütige genannt, gab dem Superior des Ordens der Hilariusiten, Cruelius, die Mark Gunara mit dem dazugehörigen Dorf als Lehen. Die die Baronie Dunkelstein des Herzogtums Ostarien wurde dem jungen Superior Lucius als unabhängiges Lehen gegeben.
Unaufhaltsam festigte sich die Gemeinschaft der Ceriden und wurde größer und größer.
Im Jahre 77 n.d.E. entsprang aus dem Orden der Bannkreuzer ein vierter Orden, der Orden der Templer zu Ankur.
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Die Entstehung der Religion
Einstmals lebte in Heligonia ein einfacher Schriftgelehrter genannt Mentirius. Ohne Unterlaß bereiste er unter mannigfaltigen Gefahren zahlreiche ferne Länder. Etwa um das Jahr 62 vor Aximistilius III. begab es sich, dass er nach langer Abwesenheit wieder in sein Heimatland zurückkehrte. Als er den Jolborn in einem Fährboot überquerte, türmten sich plötzlich die Wassermassen auf und drohten die Fähre zu verschlingen und zogen sie schließlich in ihr nasses Grab. Trotz Aufbietung all seiner Kräfte wurde er immer tiefer in das dunkle Naß hinabgezogen.
Da sah er in der tiefen Schwärze ein Licht, und eine Stimme sprach zu ihm: „Sei ohne Furcht, denn du bist der, den ich erwählt habe, dein Geist wird sich verschmelzen mit dem meinen und dieser wird wandeln unter den Menschen und künden von meinem Sein.“ Wie von unsichtbarer Hand wurde er aus dem tiefen Schlund der Verdammnis errettet. Am Ufer sank er darnieder und dankte seinem unbekannten Retter.
Sein weiterer Weg wurde begleitet von tiefer innerer Schwermut und Einkehr. Eines Tages kam er zu einem mächtigen Felsen nahe Escandra, der sich wie ein Zeigefinger drohend gen Himmel reckte. Da hörte er wiederum eine Stimme die sprach: “Nun höre meine Worte: ziehe gen Osten und verkünde den Menschen meinen Willen.“ Da sank er ehrfurchtsvoll darnieder und streckte die Arme gen Himmel und sprach: “Wie ist dein Name oh Gebieter?“ „Ich bin der Eine, der herrscht über Himmel und Erde und nichts war vor mir und nichts wird nach mir kommen.“ Da senkte der Schriftgelehrte sein Haupt, sein Blick fiel auf seinen Schatten und er sah das Kreuz, das sein Körper bildete. Da sprach die Stimme: “Dies soll mein Zeichen sein: das Kreuz.“ Da erhob er sich und sprach mit Demut: “Ja, nun weiß ich, dass Gott denen gerne gibt, die ihn bitten. Ja, mein Gott wird mir geben, wenn ich um nichts Unrechtes bitte. Oh Herr, bekleide mich mit dem Gewand der Gerechtigkeit. Oh Herr, öffne mir deinen Weg und ich will auf dich bauen bis in alle Ewigkeit.“ Da plötzlich umgab den Schriftgelehrten ein gleißendes Licht und der Geist des Gottes drang in ihn ein. Fortan nannte er sich Hilarius. Der Tag, an dem dies geschah, wurde Tag der Erleuchtung geheißen. So zog er gen Osten und predigte die Worte seines Gottes und viele Jünger schlossen sich ihm an.
Ceridentum
OT-Info: Wichtig bitte lesen!!
Auf den folgenden Seiten wird das gedankliche Eigentum des Helicon-Teams mit dessen Einverständnis veröffentlicht. Ich bitte davon abzusehen, Texte oder Teile der Texte ohne Erlaubnis des Helicon-Teams zu veröffentlichen. Besonderer Dank geht an die Verfasser Stefan Rampp, Marc und Inès Hermann.
Es ist offensichtlich, daß das Ceridentum ein entfremdetes Christentum ist. Dies ist keine Schwachstelle in irgendeinem Vertuschungsversuch, sondern volle Absicht. Man soll bemerken, daß es das Christentum als Ahnen hat, jedoch soll es jederzeit mit phantastischen Elementen daran erinnern, daß es eben dies ist – Phantastik und Teil eines Spieles. Es wurde von uns zu Zwecken des Spieles übernommen und soll nichts anderes sein, keine Anleitung zu sektenartigem Glauben, keine Beleidigung der realen Religion. Es ist unsere Überzeugung, daß es an dieser Publikation aus obigen Gründen nichts zu vertuschen, zu leugnen oder zu schönigen gibt, da ihr außer der spielerischen Verwendung und Erzeugung einer Atmosphäre keine anderen Absichten zu Grunde liegen.
Wir bitten die Leser, diese Publikation auf solche Weise aufzufassen und zu behandeln.
Zusätzlich zum heligonischen Schriftenkanon existieren einige in Trum verfasste Apokryphen.
Auf dem Weg nach Trum (Closed Juni 2016)
Der Rückweg durch Eden Amar war beschwerlich und nach vielen Tagen Fußmarsch kam die ExpeditionsTruppe um den Baron von Siebenhöfen endlichen in der Hafenstadt an aus der ein Schiff in die Heimat abfahren sollte.
Bevor Tauron sich an Bord des Schiffes besgeben kann spricht ihn ein Mann an:
Seid ihr Tauron von der Mauerwache in Siebenhöfen und bekannt mit Olé Starkarm?
Argwönisch mustert Tauron diesen Mann und antwortet:
Das ist wohl richtig. Doch wer seid Ihr und was soll die Frage? Ich bin eingentlich nur Müde also sprecht schnell.
„Frohkund ist mein Name und Bote eines Notarius aus Eden Amar bin ich und froh Euch noch hier anzutreffen auf das mir eine weitere Reise erspart bleiben möge.
Gut, da ihr angebt Tauron seid und auch der mir vorliegenden Beschreibung von Olé Starkarm entsprecht habe ich ein Schriftstück von Olé für Euch, er hat es bei uns hinterlassen.
Falls ihr nicht des Lesens mächtig seit werde ich es Euch gerne vortragen. Nehmt ihr den Brief an, denn ich bin verpflichtet eine Antwort weiterzuleiten!?“
Der Argwohn wandelt sich in Überraschung.
Natürlich kann ich lesen. Aber verzeiht, ich bin weit gelaufen.Wäret Ihr so freundlich mir vorzulesen?
Tauron geht zu einen Stapel Kisten etwas abseits des Trubel und des Hafenlärms, setzt sich und bedeutet dem Herrn Frohkund ebenfalls Platz zu nehmen.
So lasst denn schon hören was der Starkarm von mir will.
Frohkund dankt Tauron mit einem Lächeln und nimmt neben ihm auf den Kisten Platz; er räuspert sich öffnet den versiegelten Brief vor Taurons Augen und fängt an zu lesen:
Tauron mein Waffenbruder und Freund
Wenn du dieses Schreiben in den Händen hältst bedeutet es, dass ich meine letzte Reise angetreten habe. Mein letzter Wunsch an dich sei hiermit kundgetan:
Überbringe den Brief, den der Bote dir aushändigen wird zusammen mit meinem treuen Hammer, sofern du ihn bergen konntest an meine Mutter in Eisenstadt am Eisenberg und es soll dein Schaden nicht sein.
Ich hoffe doch sehr, dass du dafür Sorge tragen kannst, dass ich meinen Frieden in meiner Heimaterde am Eisenberg finden kann.
Dein Waffenbruder Olé
Der Bote blickt Tauron fragend an und dem fällt jetzt auch auf, dass die Botentasche immernoch prall gefüllt ist.
Die Gedanken schweifen ab zu der Zeit als Ole und Tauron noch gemeinsam auf der Mauer Siebenhöfen die Wache hielten. An die guten Wetten und Kämpfe in der Blutgrube. Das alles war so lange her.
Fest richtet Tauron seinen Blick auf den Boten und spricht:
In Ordnung. Ich werde den Weibel Ekarius um Urlaub vom
Mauerdienst bitten um Ole nach Hause zu bringen. Ich
denke das der Baron als guter Ceride nichts dagegen haben
wird.
Tauron spuckt auf den Boden.
Also. Was genau willst du mir geben das ich nach
Eisenstadt bringen soll?
Der Bote schaut Tauron lange und nachdenklich an und die Stille zieht sich in die Länge als er schließlich spricht:
Dies ist ein Päckchen welches ihr nebst seinem Hammer zu den Eisenbergen bringen sollte. Für die Reise dorthin und da ihr vielleicht ein wenig Überredungskunst bei eurem Weibel braucht hat Ole auch noch dies für Euch – er drückt Ole das versiegelte Päckchen nebst einem gefüllten Geldbeutel in die Hand. Ihr müsst nur noch den Empfang der Briefe und Aufzeichnungen sowie der 20 Silberlinge quittieren – bitte hier…
Der Bote übereicht Tauron ein Pergament mit einer Feder von welcher die Tusche tropft.
Seit versichert es soll Euer Schaden nicht sein wenn ihr all dies unversehrt und ungeöffnet zu Oles Familie zu den Eisenbergen bringt und dort persönlich seiner Mutter übergebt!
Tauron nimmt die Feder und unterzeichent das Papier mit seinem Namen. Wärendessen schweifen seine Gedanken ab. 20 Silderstücke! So reich war er noch nie gewesen. Und der Hammer. Nun er war gebraucht aber würde auch noch einiges bringen.
So guter Mann. Ich werde also die Sachen der guten Mutter Ole’s übergeben wie es sein letzter Wunsch wohl war. Ich danke euch das Ihr mir die Sachen übergeben habt. Ole war immer ein treuer Diener in der Mauerwache und ein guter Freun am Krug in der Taverne. Vielleicht hätte er de öfteren mal in der Blutgrube wetten sollen dann hätte er seiner Mutter mehr als die 20 Silber hinterlassen. Aber seis drum. Gehabt euch wohl und sicher.
Tauron nimmt den Beutel und den Hammer an sich, schaut dem Boten nochmal in die Augen, nickt und wendet sich um.
Mit jedem Schritt in Richtung Schiff, in Richtung trum fühlt er sich Freier und Glücklicher. Als dann endlich die Segel gesetzt wewrden und das das Schiff Eden Amars ufer verlässt, kann er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Es geht nach Hause. Und was er in Amaris nicht verdient hat würde er nun auf andere Weise bekommen.
Der Wind frischt auf und bläst nach einiger Zeit kräftig in die Segel. Es wird nicht lang dauern bis der Heimathafen in Siebenhöfen erreicht ist und dort das ist schon sicher sollte alles anders kommen als geplant…..
Warum habe ich mich nur von meiner Sippe überreden lassen die Reise zu diesen Inseln anzutreten und dazu noch auf dem Wasser, dachte Torgal Donnerschlag, das ziemt sich nicht für einen Zwerg! Nun ja ich sollte mehr an die Rätsel denken, die es zu lösen galt und das Schaukeln und Schwanken dieses abgetakelten Kahn einfach ignorieren. Eisenberg diese Wort galt es sich einzuhämmern – dort würde er mehr erfahren. Würden sich die Gerüchte um eine verschollene Zwergenstadt als wahr erweisen gab es einiges zu klären…
Doch genug der Tagträumereien schalt er sich und blickte sich aufmerksam um. Sein Blick schweifte über das Deck und entdeckte – Feuer und Asche – ist das ein Zwergenhammer!?
Was bei der Esse macht dieses Menschlein mit einem Zwergenhammer – ruhig Torgal ruhig – denk an deinen Auftrag und nimm die Finger von der Axt vielleicht nur eine weitere diebische Elster, der er an Land mal die Feder stutzen würde!
Doch halt, was sind das für 3 komische Gestalten, sie scheinen sich auch für das hagere Bürschlein zu interessieren und dem Anschein nach waren die Interessen nicht gerade freundlicher Natur.
Ach schmunzelte Torgal ein weiteres Rätsel, welches mich von der ewigen Schaukelei ablenkt – wie meinte Oheim Siegwart noch; Zwerg, schmiede den Stahl solange er willig ist!
Den bewegenden schmierigen Boden ignorierend überwand er mit einigen Mühen den Abstand und stellte sich in achtbarer Entfernung neben den Hänfling auf – er hatte sich nicht getäuscht, irgendwas hatten diese 3 schmierigen Gesellen mit seiner Elster vor, so betont unauffällig wie sie sich gerade trennten. Nun ja, vielleicht kommt meine Axt ja doch noch zum Einsatz – und obwohl ihm bei dem Gedanken auf diesem schwankenden Gefährt ein paar Scheitel neu zu ziehen nicht ganz wohl war, musste er dennoch schmunzeln.
„Sagt guter Mann wie lange wird die Reise nach Siebenhöfen auf diesem Äppelkahn denn noch dauern?“
Die Geschichte der Grünen Feste
Die Geschichte der Söldner der Grünen Feste
Kalt schlug der Wind den anwesenden Männern und Frauen ins Gesicht,als einer der letzten Fuhrleute sich aus dem Regen in das volle Gasthaus rettete. John, der Wirt des Rostigen Ochsen, nickte den Neuankömmlingen freundlich zu, um sich dann wieder auf das Putzen seiner Bierkrüge zu konzentrieren. Die Neuankömmlinge erwiderten den kurzen Gruß, um sich dann erschöpft an die wenigen freien Plätze an der Theke fallen zu lassen und sich ihrer nassen Mäntel zu entledigen. „Herr Wirt! Eine Runde eures besten Bieres für mich und die Meinigen. Auf das wir Anstoßen können, dass wir diesem unheiligen Gewitter endlich entkommen sind.“ Wie um die Worte zu unterstreichen wurde die Kneipe kurz in blendendes Licht getaucht, als ein Blitz das Umland erleuchtete. Das laute Krachen des Donners ließ nicht lange auf sich warten und ließ so manchen Anwesenden zusammenzucken.
John ließ sich von all dem nicht beeindrucken und ehe sich die Fremden versehen konnten standen die schäumenden Krüge vor Ihnen. „Ihr habt Glück, Fremde. Vor noch wenigen Monden hätte man euch hier wohl nicht so einen freundlichen Empfang bereitet. Wenn ihr die falschen Fragen gestellt hättet oder nicht bereit gewesen wärt euch von einem großen Teil eures Gutes zu trennen hätte man euch wohl am nächsten Baum aufgeknüpft.“ Den Fuhrleuten blieb das Bier hustend im Hals stecken und sie schauten sich gehetzt um. Heinz entlockte dies nur ein lautes Lachen. „Nun beruhigt euch erst mal. Ich sagte doch vor wenigen Monden, nicht jetzt. Kommt, ich spendiere euch noch eine Runde und erzähle euch, was sich zugetragen hat.“ Die restlichen Leute in der Schenke horchten auf und egal ob sie die Geschichte selbst erlebt hatten oder nicht, alle schauten sie in Johns Richtung, um seiner Erzählung zu lauschen. Dieser zeigte seiner Zuhörerschaft nur ein kurzes Lächeln und putzte ohne Unterlaß weiter während er seine Geschichte begann.
„Nicht weit von ihr, auf dem Fels, jenseits des kleinen Baches Märgel, an den Hängen des Finsterkamms, liegt eine Burg, ein uraltes finsteres Gemäuer, das alle nur die Grüne Feste nennen wegen den unzähligen Pflanzen, die sich im Laufe der Jahrzehnte ihren Werk durch das alte Mauerwerk gesucht haben. Wir aus Märgelfurt haben uns seit Lebzeiten von diesem Ort ferngehalten. Der Wind heulte wie das Gekreische gepeinigter Seelen durch das uralte Gemäuer und so manche Kräutersucherin, die die seltsamen Gewächse der Feste näher beschauen wollte, hatte panisch die Flucht gesucht, nachdem ihr im Nebel die ehemaligen Herren der Burg erschienen waren. Doch wir lernten damit zu leben. Wir ließen die Feste in Ruhe und was immer dort ruhte ließ uns in Ruhe. Doch eines Tages wurde es Anders. Einer der wagemutigen Jünglinge, die sich als Mutprobe so nah wie möglich zur Feste begaben, nicht zurückgekehrt und wir befürchteten schon ,dass er den Göttern gegenübergetreten war. Doch zur finstersten Nachtstunde kamen Reiter ins Dorf. Sie waren in dunkle Rüstungen gehüllt und führten den Jungen an einer Leine wie einen Hund hinter sich her. Sie warfen ihn vor uns entsetzten Bürgern in dem Schlamm und meinten, sie hätten ihn dabei ertappt, wie er in ihre Burg eindringen wollte. Und als Strafe für diese Missetat sollten nun wir alle Büßen und die Untertanen des neuen Herrn der Burg werden. Einige der Bauern protestierten, doch als der erste Aufmüpfige in dieser Nacht von den Reitern enthauptet wurde schwieg der Rest in Furcht. Das Grauen in der Burg hatte ein noch finsteres Gesicht erhalten. Die folgenden Wochen und Monate waren grausam und entbehrungsreich. Nicht nur wurden wir zu hohen Abgaben gezwungen, die uns fast wie Sklaven des finsteren Herrn der Burg erschienen ließen, nein auch Reisende wurden um ihre Habe erleichtert. Und wer sich weigerte bekam den Strick zu spüren und wurde als Warnung für die Anderen an die Bäume vor der Stadt gehängt, bis die Krähen sich an Ihnen gütlich getan hatten. Unser neuer Herr, den alle seine Streiter nur den schwarzen Herzog nannten, zeigte sich nur ein einziges Mal bei uns im Dorf. Er führte persönlich die Hinrichtung eines Bauern durch, der keine Abgaben mehr zahlen wollte, da er sonst seine Familie nicht durch den Winter bringen könnte. Ich werde niemals vergessen, wie sie ihn aufs Rad flochten und dieses am Ende der Marter in Brand setzen und in Richtung Märgel stießen. Der Geruch seines verbrannten Körpers hing noch tagelang im Dorf. Wir dachten, wir würden auf ewig in dieser Knechtschafft verweilen, doch eines Tages sollte unsere Rettung nahen. Eine kleine Gruppe Söldner, die gerade auf dem Rückweg von einem erfolgreichen Kriegszug waren, kehrte in unserem bescheidenen Dorf ein. Ihr Anführer saß mit seinen drei Kampfgefährten in meinem Hause, genauer dort drüben an diesem Tisch, und erfreute sich der wenigen Speisen, die mir noch geblieben waren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Eintreiber des Herzogs bei Ihnen vorstellig wurden. Für sie mussten sie nur wie eine kleine Gruppe Abenteurer wirken und so war ihre Forderung überzogen und barsch wie immer. Der Hauptmann der Söldner, ein Mann mit Namen Hagen, gepriesen sei er, sah nur kurz von seinem Essen auf ohne sich weiter um die Forderungen zu kümmern. Der Anführer der Eintreiber war solche Ignoranz nicht gewöhnt und riß sein Schwert aus der Scheide, um auf den Nacken des Söldners zu zielen und seiner Forderung so Nachdruck zu verleihen. Ich sah Hagen von vorn, als dieser erneut aufsah und ich schwöre euch, bei Allem, was mir heilig ist, der Zorn, der in seinen Augen brannte wäre dem kochenden Blut eines Drachens zu Ehren gewesen. Schneller, als das Auge es sah war er aufgesprungen und hatte dem verdutzten Mann sein eigenes Schwert in die Brust getrieben. Dieser schnappte schwer nach Luft, bis der Körper begriff, dass er starb. Mit einem schmatzenden Geräusch befreite Hagen seine Klinge und sah die anderen Männer herausfordernd an. Auch seine Gefährten waren inzwischen aufgesprungen und blickten die anderen Eintreiber herausfordernd an. Diese verließen so schnell sie konnten meine Schenke und eilten hoch zur Burg, um ihren Herzog von den Vorkommnissen zu berichten. Die Söldner befragten uns, woher dieser Eintreiber kommen würde und wir beschrieben Ihnen all das, was geschehen war, all die Grausamkeiten und Entbehrungen. In den Augen der Krieger sah man etwas wie Mitleid, aber auch unbändigen Zorn. Sie fragten uns, ob wir diese Ketten der Unterwerfung nicht abwerfen wollten und forderten jeden Mann und jede Frau, die bereit waren, für ihre Freiheit zu kämpfen, mit ihnen zu ziehen. Noch am gleichen Tag zogen die tapferen Streiter zusammen mit einigen der kräftigen Holzfäller gegen die Festung. Da ich schon damals nicht mehr der Jüngste war berichtete einer der Tapferen, der mit Ihnen zog, von den Ereignissen, die sich hiernach zutrugen: Im leichten Regen näherten sich die Söldner in der Deckung des Wäldchens dort drüben der Festung. Einer der Söldner, ein Mann in Wildniskleidung, dessen spöttischer, ja schon fast adelig hochnäsiger Gesichtsausdruck nicht zu seiner Kleidung passen wollte, bedeutete den anderen anzuhalten und verschwand vor Ihnen in der Finsternis der Nacht. Die Zeit schien sich bis zur Ewigkeit zu dienen bis der Mann zurückkehrte. Mit kurzen Worten, die aber auf gewisse Bildung schließen ließen, umriss er den Anwesenden die Lage. Die Festung sei zwar an sich noch wehrfähig und für eine kleine Gruppe uneinnehmbar, doch anscheinend schien der Herzog die Nachricht aus dem Dorf noch nicht erhalten zu haben, oder seine Selbstüberschätzung hielt ihn von Vorsichtsmaßnahmen ab. Das Tor stehe jedenfalls offen und werde nur von zwei Wächtern beschützt. Der Hauptmann der Söldner hörte sich dies alles ruhig an, um mit wenigen Befehlen klar zu machen, was er zu tun gedachte. Der Angriff sollte schnell und präzise erfolgen. Der Späher, den er Rodrigo rief, und der wilde Nordmann an seiner Seite mit Namen Einar Kjellson sollten möglichst schnell die Wachen ausschalten. Einer unserer tapferen Männer aus dem Dorf sollte sie dabei unterstützen, falls es Probleme gäbe. Die anderen sollten unter der Führung Hagens und seiner rechten Hand Cord in den Burghof eindringen und die Wachen daran hindern das Tor zu schließen. Seine Gefährten und verschwanden lautlos in der Dunkelheit. Einar, der Nordmann, prüfte hinter einem Gebüsch, keine 100 Schritt von dem Tor der Festung entfernt, seinen Bogen. Hans, der Holzfäller, der sie begleitete sah ihm dabei zu und bemerkte, dass er leise eine Melodie vor sich hersummte, während er immer wieder einen Pfeil auswählte, ihn prüfend hochhielt, und ihn dann doch wieder zurücklegte. Schließlich entschied er sich für ein schwarz befiedertes Geschoss und legte es immer noch summend an der Sehne auf. Sein Gefährte war inzwischen wieder in der Dunkelheit verschwunden. Hans starrte in die Dunkelheit zu den Wachen rüber, als er ein Rascheln rechts vom Eingang in einem der Büsche sah. Doch er war nicht allein mit seiner Entdeckung, denn einer der Wächter schritt mit erhobener Hellebarde auf das Gebüsch zu. Darauf hatte Einar nur gewartet. Mit einem leisen „Flieeg“ auf den Lippen verließ sein Pfeil den Bogen und verschwand mit einem quitschenden Geräusch im Kehlkopf der anderen Wache. Zuckend aber stumm sackte die Gestalt zusammen. Sein Kumpane hörte nur das aufschlagen des schlaffen Körpers und drehte sich zurück in Richtung seines Kameraden. Ein Fehler, der sich als sein letzter herausstellen sollte. In dem Licht der Öllampe an seinem Gürtel blitzte hinter ihm kurz ein Messer auf, dass einen rasenden Schnitt über seine Kehle vollführte. Genauso schnell, wie es aufgetaucht war verschwand das Messer auch wieder unter dem Mantel Rodrigos, der aus dem Gebüsch gesprungen war. In diesem Moment stürmten auch schon Hagen und Cord an ihm vorbei ins Innere der Festung. Die Streiter aus unserem Dorf konnten nur mit Mühe streiten und als sie die Schwelle der Festung überschritten waren die Kämpfe in inneren schon im vollen Gange. Hagen hatte sich wütend in eine der Wachmannschaften gestürzt und schlug wild nach links und rechts aus. Auch hier berichtete man mir wieder, wie das seltsame Feuer in seinen Augen brannte. Unter seinen gewaltigen Schlägen fielen die Feinde um ihn herum, wie die Fliegen während ihre Schläge sich an seiner Rüstung wie die Brandung an einer gewaltigen Klippe brachen. Sein Rabenschnabel fuhr blutige Ernte ein Cord war kein weniger furchtsamer Anblick, obwohl sich sein Kampfstil völlig von dem Hagens unterschied. Wo Hagen seine brutale Kraft wirken ließ führte sein Kampfgefährte eine Art Ballett des Todes auf. Mit zwei Schwertern bewaffnet sprang er zwischen seinen Gegnern hin und her. Er führte nur einzelne Stiche und Schnitte, doch keiner verfehlte sein Ziel. Wie ein geübter Anatom schien er die verletzlichen Stellen seiner Gegner nur zu gut zu kennen und zertrennte Sehnen und Muskelgewebe ohne mit der Wimper zu zucken. Ein leichter Glanz stand dabei in seinen Augen, der wohl irgendwo zwischen Konzentration und Wahnsinn stand. Mehr als nur einmal führte er Schläge, die seine Gegner nicht ausschalten konnten, ihnen aber furchtbare Schmerzen bereiten mussten. In diesem Moment zeigte sich auch der Herzog auf einem der Wehrgänge und schritt entschlossen auf die Kampffläche zu, gehüllt in eine Rüstung purer Finsternis. Der Hauptmann der tapferen Söldner zögerte keinen Augenblick und warf sich dem neuen Feind entgegen, währenddessen seine Gefährten die übrig gebliebenen Schergen mit einem Hagel aus Schlägen, Armbrustbolzen und Wurfmessern eindeckten. Das Gefecht zwischen dem Herzog und Hagen war kurz und blutig. Ein schneller Ausfall Hagens brachte ihn an seinen Gegner heran, der versuchte den Angreifer in sein Schwert laufen zu lassen. Doch der Hauptmann drehte sich an der gefährlichen Klinge vorbei und hieb mit seinem Rabenschnabel nach dem Kopf des Mannes. Das dunkle Feld um ihn herum schien den Schlag zu bremsen und der Herzog konnte sich noch wegdrehen, bevor der tödliche Hieb seinen Schädel erreichen konnten. Ein weiterer wuchtiger Schwerthieb traf Hagen auf der Brust und hinterließ einen hässlichen Kratzer auf seinem Brustpanzer. Wie Ringer, die eine Möglichkeit für einen guten Griff suchten umkreisten sich die beiden Kontrahenten, jeder auf eine Schwäche des Anderen bedacht. Mit einem Ruck sprang der Herzog vor, doch diesmal hatte Hagen nur darauf gewartet. Mit einem gewaltigen Schwung riss er seinen Rabenschnabel in einer Kreisbewegung vorwärts, so dass der Herzog von seinem eigenen Gewicht in die Waffe getrieben wurde. Auch die bremsende Wirkung seiner dunklen Aura konnte das unvermeidliche nicht verhindern und so drang der schwere Eisenschnabel durstig in den Körper des Mannes ein, der wie vom Blitz getroffen zusammenbrach. Mit seinem Lebenshauch verschwand auch die finstere Aura. Hagen und seine Getreuen hatten triumphiert, doch zwei unserer treuen Bürger hatten bei dem Gemetzel den Tod gefunden. So wurden wir von der Schreckensherrschaft befreit. Der Herzog mochte darauf vorbereitet gewesen sein ein Dorf, wie das Unsrige, zu unterdrücken, doch mit einem gezielten Angriff auf seine Burg hatte er nicht gerechnet. Bis tief in die Nacht hatten wir den Lärm von der Festung gehört und sahen später Flammen aus dem Innenhof schlagen. Am nächsten Tag kehrten die Söldner mit den Überlebenden und Gefallenen Streitern des Dorfes zurück. Sie brachten den Körper des Herzogs mit sich, der nun, da er tot vor uns lag, seine Bedrohlichkeit wie einen Schleier abgelegt hatte. Sie sagten uns, dass uns kein Übel mehr drohen würde und baten um unsere Erlaubnis die grüne Feste als ihren Stützpunkt in Beschlag zu nehmen. Und wer wären wir gewesen unseren heiligen Rettern diese Bitte abzuschlagen? Seitdem kehrte Frieden in unser Dorf ein. Sobald die Händler erfuhren, dass der Weg wieder frei war kehrten auch die Menschen aus der Ferne wieder bei uns ein und unser Dorf begann wieder zu erblühen. Die Söldner der Grünen Feste aber machten sich an den Wiederaufbau der Festung um sie als ihr Heim einzurichten. Die Streiter aus dem Dorf, die sich ihnen angeschlossen hatten, blieben auch bei Ihnen und trugen als bald auch das neue Wappen der Söldner. Das Grauen, das angeblich in den Gemäuern hauste, war verschwunden. Das Einzige, was man manchmal noch des Nachts vernimmt, sind die traurigen Gesänge des Bardens der Söldner, der der beiden Gefallenen der Erstürmung gedenkt.“ Es dauerte einige Augenblicke bis die Anwesenden begriffen, dass die Geschichte geendet hatte und dem Wirt laut applaudierten. Einer der Fuhrleute kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Das ist ja eine schöne Geschichte Herr Wirt, aber ihr wollt doch nicht wirklich erwarten, dass wir glauben, dass es diese Söldner wirklich gibt?“ „Ich will mal meinen, dass es uns gibt!“ Die Menschen in der Schenke fuhren wie ein Wesen herum und sahen die Söldner unter ihrem Anführer Hagen, die gerade die Schenke betreten hatten. „Und damit ihr unsere Anwesenheit auch wirklich glaubt geht die nächste Runde auf uns.“ Der Jubel, der daraufhin aufbrauste übertraf das Gewitter draußen noch bei Weitem an Lautstärke.