Der Orden der Hilariusiten

Das Ordenswappen

Das Wappen der Hilariusiten zeigt symbolisch das aufgeschlagene Hilarium und das liegende Luxarium in gelber Farbe auf silbernem Grund.

Die Ordensgründung

Cruelius blieb mit seinen Getreuen in Gunara und gründete den Orden der Hilariusiten. Noch zu Lebzeiten Hilarius sammelte er alle Schriften, die im Zusammenhang mit dem Ceridentum stehen. Nachdem Hilarius verstarb machte er sich daran dessen Erlebnisse und Worte im Luxarium niederzuschreiben. Viele Jahre verbrachte Cruelius mit der Auslegung des Hilariums, die er seinen Anhängern vermachte. Zahlreiche Geschichten, Gleichnisse und vor allem die Ordensgrundregeln gehen auf ihn zurück.

Der Ordenshabit

Im Orden der Hilariusiten gibt es die wenigsten Zwänge in der farblichen Kombination des Habit. Es hat sich gewährt, dass man die Farbkombination seiner Arbeit anpasst. So wird eine Nonne, die im Hospitz oder in der Küche arbeitet eher weiß tragen, ein Mönch, der auf dem Feld arbeitet bevorzugt eine dunkle Kutte. Je nach der Farbe des Unterkleides trägt man den Überwurf in einer Kontrastfarbe. Wählt man zum Beispiel ein dunkelblaues, schwarzes, graues oder braunes Unterkleid, dann fällt der Überwurf weiß oder hellbeige aus.

Die Ordensgrundsätze

Die Hilariusiten verbreiten das Wissen über die Lehre, um es Gewillten zu ermöglichen, der Religion beizutreten. Daher suchen sie stetig in den alten Schriften nach neuen Erkenntnissen und forschen unermüdlich nach verschollenen Texten oder Hinweisen des Hilarius und seinen Weggefährten
Ihr Streben gilt außerdem der Pflege der ceridischen Kunst und Wissenschaft. Hierzu zählt neben dem Sammeln von Schriften vor allem die Musik. Um dem Einen zu gefallen und von ihm erhört zu werden, wird seit den Tagen des heiligen Cruelius die Messe von Gesang begleitet, in manchen Klöstern sogar gänzlich gesungen. Immer neue Melodien und Texte entstehen in den Klöstern und werden von den schönsten Stimmen im Chor vorgetragen.

Verbreitung des Ordens

Die Hilariusiten sind der stärkste Orden im Hinblick auf die territoriale Verbreitung und die Anzahl der Ordensangehörigen. Dies mag auch darin gründen, dass die Hilariusiten bisher als einziger Orden Frauenklöster unterhalten. In größeren Abteien ist dies ein eigenes Kloster mit einer Äbtissin als Vorsteherin. Bei kleineren Gemeinschaften gliedert sich das Kloster in das Männer- und das Frauendormitorium. Dem Abt, bzw. der Äbtissin ist dann neben dem Prior die Oberin zur Seite gestellt.
Neben der Abtei Gunara, den Domklöstern in Escandra, Ankur und Betis, befinden sich mehrere Klöster in Ligonii, Ostarien und Drachenhain. Besonders zu erwähnen ist das Kloster Gregorsruh in der Baronie Carajon, in dem die Offenbarung stattfand.

Die Ordensgeschichte

Die Hilariusiten erheben für sich den Anspruch, dass sie aufgrund der genauen Auslegung der Schriften, die Lehre des Ceridentums nach den genauen Vorstellungen des Religionsgründers leben.
Das Zentrum des Ceridentums ist zugleich das der Hilarisiten. Von der Abtei Gunara aus werden seit Gründung die Geschicke der Kirche gelenkt. Viele der Primi, wie auch der jetzige und sein Vorgänger, entstammen dem Orden und waren zugleich Abt von Gunara.

Die Ordensregeln

Die Ordensregeln Cruelius trug nach dem Tod des Hilarius seine Niederschriften zusammen und verfasste die noch heute gültigen Regeln. Die einzelnen Orden haben zwar diese im Laufe der Zeit noch erweitert oder konkreter ausgeführt, jedoch basieren sie immer auf diesen Grundregeln. Selbstverständlich wurden bei den später gegründeten Frauenklöstern die entsprechenden Anpassungen vorgenommen.

Einmal pro Woche sollen diese Regeln vorgelesen werden. Sie sind wie ein Spiegel: Ihr könnt darin sehen, ob ihr etwas vernachlässigt oder vergesst. Euch, die ihr eine Klostergemeinschaft bildet, tragen wir auf, folgendes in eurem Leben zu verwirklichen:

Die klösterliche Gemeinschaft

  • Zufürderst sollt ihr einmütig zusammenwohnend, wie ein Herz und eine Seele auf dem Weg zum Einen sein.
  • Bei euch darf von persönlichem Eigentum keine Rede sein. Sorgt im Gegenteil dafür, dass euch alles gemeinsam gehört. Euer Oberer soll jeden mit Nahrung und Kleidung versorgen. Nicht, dass er jedem Einzelnen gleich viel geben müsste, denn im Hinblick auf die Gesundheit seid ihr nicht alle gleich, vielmehr soll jedem Bruder gegeben werden, was er persönlich nötig hat. So lest ihr ja im Hilarium: Sie hatten alles gemeinsam, und jedem wurde so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.
  • Die in der Welt etwas besaßen, als sie ins Kloster eingetreten sind, sollen Wert darauf legen, dass dies der Gemeinschaft übertragen wird.  Die aber nichts besaßen, sollen im Kloster nicht das suchen, was sie sich draußen auch nicht leisten konnten. Dennoch soll man ihrer Mittellosigkeit entgegenkommen und ihnen alles geben, was sie nötig haben. Sie dürfen sich aber nicht schon deshalb glücklich schätzen, weil sie jetzt Nahrung und Kleidung bekommen, und das in einem Maß, wie sie es draußen nicht hätten erreichen können.
  • Andererseits dürfen jene, die in der Welt etwas zu sein schienen, nicht verächtlich auf ihre Brüder herabsehen, die aus ärmlichen Verhältnissen in diese heilige Gemeinschaft eingetreten sind. Denn während jede andere Fehlhaltung ihren Ausdruck nur in bösen Taten findet, trachtet der Hochmut darüber hinaus auch nach den guten Werken, um sie zunichte zu machen.
  • Lebt also alle wie ein Herz und eine Seele zusammen und ehrt gegenseitig in euch den Einen; denn jeder von euch ist sein Haus geworden.

Das gemeinsame Gebet

  • Lasst nicht nach im Beten zu den festgesetzten Stunden und Zeiten.
  • Der Gebetsraum darf zu nichts anderem gebraucht werden als wozu er bestimmt ist; denn er trägt seinen Namen nicht ohne Grund.

Die Kanonischen Stunden nach Ordensregeln des heiligen Hilarius

  • Mette (der Nachtgottesdienst) findet einmal wöchentlich am Hilariustag zwischen Mitternacht und 1.00 Uhr statt.
  • Laudes (das Morgenlob) findet je nach Jahreszeit zwischen 4.30 Uhr und 7.00 Uhr statt, so dass der Gottesdienst in der Morgendämmerung beginnt und bei Sonnenaufgang endet.
  • Meridia (Mittagsgebet) ist um 12.00 Uhr mittags, im Anschluss daran wird das Mittagsmahl eingenommen.
  • Die Vesper (der Abendgottesdienst) beginnt bei Einbruch der Dämmerung, danach wird das Abendmahl eingenommen.
  • Komplet (das Nachtgebet) wird entweder gemeinsam oder von jedem Gläubigen für sich vor dem Schlafengehen gesprochen

    Das leibliche Wohl

  • Bezwingt euren Leib durch Fasten und Enthaltung von Speise und Trank, soweit es eure Gesundheit zulässt. Wer es nicht ohne Nahrung bis zur Hauptmahlzeit, die gegen Abend eingenommen wird, aushalten kann, darf vorher etwas essen und trinken, jedoch nur zur Stunde der sonst üblichen Mittagsmahlzeit. Wer aber krank ist, darf jederzeit etwas zu sich nehmen.
  • Hört vom Beginn bis zum Ende der Mahlzeit aufmerksam der üblichen Lesung zu, ohne euch dabei lauthals zu äußern oder gegen die Worte zu protestieren. Denn ihr sollt nicht nur mit dem Mund euren Hunger stillen, sondern auch eure Ohren sollen hungern nach dem Wort des Einen.

Die gemeinsame Verantwortung füreinander

  • Seid nicht aufwändig gekleidet. Sucht nicht, durch eure Kleidung Gefallen zu erwecken, sondern durch eure Lebensführung.
  • Wenn ihr ausgeht, dann macht euch gemeinsam auf den Weg, und wenn ihr an den Ort gekommen seid, wo ihr hingehen wolltet, dann bleibt zusammen.
  • Euer Gehen und Stehen, euer ganzes Verhalten darf bei niemandem Anstoß erregen, sondern muss mit eurem heiligen Lebensstand in Einklang stehen.
  • Wenn ihr eine Frau seht, lasst euren Blick nicht lüstern auf ihr ruhen. Wenn ihr ausgeht, kann euch natürlich niemand verwehren, Frauen zu sehen, wohl aber ist es schuldhaft, eine Frau zu begehren oder von ihr begehrt werden zu wollen. Denn nicht nur die Gebärden der Zuneigung, sondern auch die Augen erregen in Mann und Frau die Begierde zueinander. Behauptet also nicht, euer Herz sei rein, wenn eure Augen unrein sind, denn das Auge ist der Bote des Herzens. Und wenn man sich gegenseitig seine unkeuschen Absichten zu erkennen gibt, auch ohne Worte, nur indem man nach der anderen Ausschau hält, und wenn man an der zueinander entbrannten Leidenschaft Gefallen findet, dann ist – selbst wenn man sich nicht in  den Armen liegt – von der echten Reinheit, nämlich der Reinheit des Herzens, schon keine Rede mehr. Wenn ihr also in der Kirche zusammen seid oder überall sonst, wo ihr auch mit Frauen zusammenkommt, dann fühlt euch gegenseitig für eure Reinheit verantwortlich.
  • Wenn ihr nun diesen lüsternen Blick, von dem ich spreche, bei einem Mitbruder bemerkt, dann ermahnt ihn sogleich, damit er sein Verhalten so schnell wie möglich bessert und das schon begonnene Unheil nicht noch schlimmer wird.
  • Sieht man aber nach einer solchen Ermahnung oder auch sonst, dass dieser Bruder doch wieder dasselbe tut, dann soll jeder, der das merkt, dessen Herz als verwundet betrachten und um Heilung bemüht sein.
  • Will er nicht auf deine Ermahnung hören, dann soll man zunächst den Oberen zu einem Gespräch unter vier Augen hinzurufen, um dadurch die anderen noch herauszuhalten. Bessert er sich daraufhin noch nicht, dann soll er nach dem Urteil des Oberen zu seiner Besserung hart bestraft werden.

Die Beilegung von Konflikten

  • Seid nie untereinander zerstritten. Sollte es doch einmal zum Streit kommen dann macht so schnell wie möglich Schluss damit. Sonst wächst der Zorn zum Hass.
  • Wenn du einen Bruder verletzt hast, indem du ihn ausgeschimpft, verwünscht oder zu Unrecht schwer beschuldigt hast, dann denk daran, das Unheil, das du angerichtet hast, so schnell wie möglich durch deine Entschuldigung wiedergutzumachen; und der Bruder, der verletzt wurde, soll dir seinerseits ohne große Umstände verzeihen.
  • Eure Liebe zueinander darf nicht in der Selbstsucht stecken bleiben; sie muss sich vielmehr vom Geist des Einen leiten lassen.

Führen und Dienen

  • Gehorcht eurem Oberen so wie einem Vater, aber auch mit dem gebührenden Respekt, der ihm aufgrund seines Amtes zusteht; andernfalls verfehlt ihr euch gegen den Einen in ihm.
  • Es ist in erster Linie Aufgabe des Oberen, dafür zu sorgen, dass man alles, was hier gesagt ist, auch verwirklicht und dass man Übertretungen nicht achtlos übergeht. Es ist seine Aufgabe, auf fehlerhaftes Verhalten hinzuweisen und für Besserung zu sorgen.
  • Euer Oberer soll sich nicht deshalb glücklich schätzen, weil er kraft seines Amtes gebieten, sondern weil er dem Einen dienen kann. Aufgrund eurer Hochachtung soll er unter euch herausgehoben sein, doch aufgrund seiner Verantwortlichkeit vor dem Einen soll er sich als der Geringste von euch einschätzen. Allen soll er durch gute Werke ein Beispiel geben. Er soll diejenigen, die ihre Arbeit vernachlässigen, zurechtweisen, den Ängstlichen Mut machen, sich der Schwachen annehmen, mit allen Geduld haben. Er selber soll die Richtlinien der Gemeinschaft in Ehren halten und auch bei den anderen auf Beachtung drängen. Wiewohl beides in gleicher Weise nötig ist, soll er mehr darauf bedacht sein, von euch geliebt als gefürchtet zu werden.

Allgemeine Beziehungen

Adel und weltliche Politik Ganz im Gegensatz zum Ogedentum sieht das Ceridentum in der weltlichen Politik ein wichtiges Betätigungsfeld und den Adel als potentielle Gläubige und Fürsprecher. Dies hat seinen Ursprung sicherlich in der anfänglichen Finanzierung dieser Religion, waren die Ceriden doch zu Anfang ihrer Zeit in Heligonia auf Schenkungen und Unterstützungen reicher und adliger Persönlichkeiten angewiesen. Schon immer befleißigt sich der Klerus in der weltlichen Politik und ist zumindest im Norden Heligonias und insbesondere in Ostarien ein wichtiger Machtfaktor.

Das Ogedentum

In den Beziehungen zum Ogedentum ist ein Faktor maßgeblich: das königliche Gebot zur religiösen Toleranz. Würde dieses nicht bestehen, so hätte sich das Ceridentum sehr wahrscheinlich aggressiver entwickelt und würde mit Gewalt missionieren. Jedoch ist zu bedenken, dass die Vorfahren der heutigen Ceriden ebenfalls Heligonier und damit Ogeden waren, d.h. ihre religiösen Überzeugungen sind in der breiten Masse des Klerus selten fanatisch und strikt und das Verständnis für andere Religionen ist größer als in den Führungsschichten. Zudem ist das Ceridentum die Religion einer – wenn auch ansehnlichen – Minderheit und hat keinesfalls genügend Macht und Einfluß, um sich mit der führenden Religion einen Machtkampf zu liefern. Aus Gründen der Toleranz verfolgen die ceridischen Geistlichen außerhalb ihrer Gebiete also eine Politik des Respektes gegenüber dem Ogedentum. In Zentren des Glaubens begegnet man dem Ogedentum mit Geringschätzung und Missionierungsversuchen.

Arcanum und Magie

Die arcanen Kräfte stellen für einen gläubigen Ceriden eine Manifestation der göttlichen Kräfte dar, den Schrecken der Weisheit. Als solche sind sie aber dem Gott vorbehalten und nicht dazu bestimmt, von Menschen als Werkzeug benutzt zu werden. Außerdem sieht man sich nicht in der Lage dazu, zu unterscheiden, welche Arten der Magie von der lichten Seite und welche von der dunklen Seite rühren, denn Versteck, Täuschung und Intrige sind Meisterdisziplinen der Gefolgschaft Daimons. So ist Magie also möglicherweise teuflischer Akt oder im besten Fall Gotteslästerung. Von dieser Ansicht ist das Verhältnis der Ceridischen Kirche zu Magiern und dem Arcanum selbst geprägt. Im Sinne des Ceridentums sind arcane Künstler geblendete Sünder, wenn nicht sogar Schlimmeres, die bekämpft werden müssen. Das einfache ceridische Volk fürchtet und haßt sie ausnahmslos, da es von der Angst besessen ist, von diesen verführt und verzaubert zu werden. Auch hier jedoch ist die Politik der Kirche dazu gezwungen, mehr oder weniger Toleranz zu üben, da die magische Gesellschaft des Arcanums über Heliosbriefe verfügt, die sie legitimiert. Ein Angriff auf das Arcanum wäre damit ein Verstoß gegen einen Heliosbrief und somit gegen eine königliche Anordnung.

Das einfache Volk

Das einfache Volk der Bauern und Bürger stellt die Basis des Ceridentums dar. Nur durch den Glauben und den Zugehörigkeitswillen dieser kann eine Religion wie das Ceridentum überhaupt bestehen. Dieses Faktum ist dem Klerus durchaus bewußt, zumal viele Geistliche aus dem einfachen Volk kommen. Jedoch ist eine weitere Einstellung erkennbar, eine arrogantere und beherrschendere, die bei höheren Klerikern verbreitet ist. Diese sind der Meinung, dass sie als Geistliche auserwählt sind und näher an ihrem Gott sind. Sie erwarten deshalb, besonders ihrer Position entsprechend behandelt zu werden. Das einfache Volk ist hier nur die breite und unwissende Masse, die den Klerikern zu dienen hat.

Die Inquisition

Die Inquisition war sechs Jahre lang „die gepanzerte Faust Gottes“, wie sie damals von Ceriden bezeichnet wurde. Ihre Hauptaufgabe war die Untersuchung von ceridischen und Angelegenheiten im Auftrag des Königs, des Primus oder des Großinquisitors. Der Primus verfügte hierzu über einen direkten Heliosbrief vom König und hatte diesen an den Großinquisitor weitergegeben. Die Inquisition hatte damit das Recht, ihre Untersuchungen in jeder Baronie, ungeachtet der dort vorherrrschenden Religion, durchzuführen. Als Grundlage diente die königliche Halsgerichtsordnung, insbesondere aber der Dunkelsteiner Hexenhammer, der Untersuchungen und Befragungen in zauberischen Angelegenheiten regelte. Er erlaubte in extremeren Fällen auch die hochnotpeinliche Befragung, d.h. Folter, zur Findung der Wahrheit. Der tatsächliche Nutzen der Inquisition war die Bekämpfung bösartiger Magie und innerer Angelegenheiten der Ceridischen Kirche. Es mag vorkommen, dass diese Mittel in manchen Fällen zur Beseitigung politischer Gegner eingesetzt wurde. Mit nur zwölf Inquisitoren war diese Institution über Heligonia verteilt nur vergleichsweise schwach. Ihr Einsatz war dadurch auf begründeten Verdacht und folgende Konzentration auf eine solche Angelegenheit beschränkt. Jedoch verliehen ihr die ihr zur Verfügung stehenden Truppen, z.B. die Heilige Miliz, eine größere Macht als die zwölf Inquisitoren darstellen konnten.
Nachdem im Jahre 90 n.d.E. Primus Canesius verstarb, ging der Heliosbrief zurück an den König. Der neue Primus, Pacellus, war schon lange ein Gegner der Inquisition, da sie nicht mehr nur zu den eigentlichen, innerceridischen Angelegenheiten, genutzt wurde. Darum beantragte er vorerst keine Erneuerung des Heliosbriefes. Er veranlaßte sogar eine zeremonielle Verbrennung des Dunkelsteiner Hexenhammers, der teils sehr grausamen Methoden zur Befragung beinhaltete. Bis zu einer Neustrukturierung der Regelungen wurde die Inquisition eingestellt.

Die politischen Ziele des Ceridentums

Eines der Ziele des Ceridentums ist durch die Lehre begründet die Missionierung. Jedoch ist den geistigen Führern dieser Religion auch klar, dass dies mit Gewalt nicht erreichbar ist. Zum einen sprechen die heligonischen Gesetze dagegen, zum anderen wird eine Religion nur durch die freiwillige Konvertierung wirklich verinnerlicht.

Zwar haben alle vier Orden diesbezüglich das gleiche Ziel, gehen jedoch unterschiedliche Wege. So versuchen die Bannkreuzer ihre Macht durch ihren finanziellen Reichtum zu mehren, die Hilariusiten dagegen verbreiten das Wissen über die Lehre, um es Gewillten zu ermöglichen, der Religion beizutreten. Die Pretoriusaner möchten durch ihren Dienst an den Bedürftigen die Schar der Anhänger mehren. In den Ödland-Kriegen der vergangenen Jahre haben sich die Templer zu Ankur besonders hervorgetan, was ihnen unter der Bevölkerung und dem Adel Heligonias große Hochachtung einbrachte.  Zudem profitierte der Orden durch die umsichtige Führung des Markgrafen Kalveram von Norrland-Brassach.

Weiterhin streben besonders die Bannkreuzer die Unabhängigkeit von weltlichen Lehensherren an. Weite Teile der Hilarisiten unterstützen sie in ihren Bemühungen, da die Lehenspflicht oft im Widerspruch mit den Interessen der Kirche steht. Die Abteien Gunara und Dunkelstein unterstehen direkt dem König und sind daher auch nur diesem lehenspflichtig. Alle anderen Abteien oder Balleien sind dem jeweiligen Landesherrn unterstellt und stetig auf dessen Gunst angewiesen.

Die Zeremonien

Das Ceridentum kennt eine Anzahl von Zeremonien, die die einzelnen Teile der Lehre im Alltag umsetzen. Sie dienen außerdem dazu, besonders wichtige Punkte im Leben eines Menschen im Sinne der Ceridischen Kirche zu kennzeichnen. Hier seien die wichtigsten nun aufgezählt.

 Taufe

Mit der Taufe wird das neue Mitglied in die Ceridische Kirche aufgenommen. Oft wird diese Zeremonie schon kurz nach der Geburt eines Kindes durchgeführt, da man so vermeiden will, dass ein Kind ungetauft, also ohne schützende Hand des Einen im Leben wandelt oder gar stirbt, was ob der hohen Säuglingssterblichkeit nicht ungewöhnlich ist. Bei der Taufe wird der Täufling in vom Kleriker geweihtes Wasser getaucht oder mit diesem benetzt. Er erhält sodann einen neuen Namen, der zu seinem Ruf- und Hauptnamen innerhalb der Ceridischen Kirche wird.

 Die Bestätigung

Die Bestätigung wird im 14. Lebensjahr durchgeführt. Ihr geht ein von einem Geistlichen geleitetes Studium der Schriften des Hilarius voraus, bei dem wichtige Stellen des Hilariums und des Luxariums auswendig gelernt werden. Die eigentliche Zeremonie fragt dieses Wissen ab und nimmt den Ceriden als vollwertiges Mitglied in die Gemeinde auf. Hiermit soll die oftmals von den Eltern getroffene Entscheidung der Taufe vom Betroffenen selbst bestätigt werden. Erst nach dieser Zeremonie wird der Ceride zum Mahl der Erleuchtung zugelassen.

 Schritt zur Erleuchtung

Diese Zeremonie versinnbildlicht die Erleuchtung des Menschen durch die ceridische Lehre. Die Teilnehmer zünden hierzu eine Kerze an, welche die Weisheit symbolisieren soll, die der Mensch im Leben selbst durch die Kirche anstrebt.

 Beichte

Vor jeder Zeremonie wie auch in oft regelmäßigen Abständen nach eigenem Ansporn, sucht der Ceride einen Geistlichen auf. Mit diesem führt er ein privates Gespräch, das geheim gehalten wird, die Beichte. In diesem Gespräch erzählt er von seinen begangenen Sünden. Der Geistliche bürdet ihm sodann eine Buße auf, die ihn von der Schuld befreien soll, den Sündenablaß.

 Krankensalbung

Im Falle einer schweren Krankheit wird oft ein ceridischer Geistlicher gerufen, der den Kranken salben und für ihn beten soll. Man erhofft sich, so eine Genesung erwirken zu können. Im Falle eines Sterbenden wird diese Zeremonie ebenfalls durchgeführt, weniger, um zur Heilung beizutragen, sondern vielmehr, um dem Sterbenden den Weg ins Jenseits zu ermöglichen und zu erleichtern. Hierbei wird ihm eine letzte Beichte zuteil.

 Ehe

Mit dieser Zeremonie schließen ein Mann und eine Frau den Bund der Ehe. Die Ceridische Kirche kennt keine Scheidung, das heißt eine Ehe dauert ein Leben lang. Das Ritual selbst wird durch einen Kleriker durchgeführt, der den Partnern die Rechte und Pflichten aufzählt, und auch nach Einsprüchen Dritter fragt. Erst nachdem solche Einsprüche geklärt sind, kann die Ehe geschlossen werden. Der Geistliche verbindet die Partner, indem diese Ringe tauschen und sich küssen. Mancherorts tritt an die Stelle der Ringe ein geflochtenes Band, mit dem die Partner während der Zeremonie aneinander „gefesselt“ werden, indem sie sich an der Hand fassen und das Band herum geschlungen wird.

 Symbol

Die Ceridische Kirche hat sich das gleichschenklige Kreuz im Ring als Zeichen ihrer Religion erwählt. Der Kreis steht für die Welt in ihren Ausprägungen und das gleichschenklige Kreuz für die Macht des Gottes ohne Namen, die auf der ganzen Welt, in allen vier Himmelsrichtungen von gleich großer Macht ist.

Die Frau im Ceridentum

Die Frau im Ceridentum

Und Daimon sprach zur Frau: „Ich werde dir zeigen und geben die große Herrlichkeit und Mächtigkeit, die euch der Gott verwehrt. Folge mir und nimm diese Gabe an.“  Und die Frau folgte ihm.
Auf diese Stelle in Hilarius’ Schriften stützt sich die Stellung der Frau im Ceridentum und der Umgang mit allem Weiblichen. Die Frau gilt als schuldig am Fall der Menschen, da sie sich von Daimon verführen ließ und den Mann mit in den Abgrund riß. Die Kirche ist deshalb der Meinung, dass die Frau dem Manne zwar nicht unbedingt unterstellt ist, dass jedoch eine Erbschuld ob dieser Tat auf ihr lastet und sie so keinen gleichen Stand verdient hat. Alles Weibliche gilt als sündig und unrein und muß vom frommen Priester gemieden werden. Auch das Volk soll sich möglichst fern vom Weibe halten und ihr nur in der Ehe nahe kommen, zu dem Zwecke, dass der Mensch die Welt auch weiter regieren kann, indem er Nachkommen hat, und so Seinen Willen erfüllen kann. Jedoch ist den Angehörigen des Klerus verboten, eine Frau zu ehelichen, da sie sich so Seinem Zorn aussetzen würden und nicht mehr rein wären. Außerdem würde so das Erbe der Kirche an Weltliche und deren Nachkommen verloren und die Institution damit geschädigt.
Obwohl die Frau einen solch tiefen Stand hat, gibt es dennoch auch weibliche Geistliche in der Ceridischen Kirche. Diese Nonnen haben ihrem Leben das Ziel gesetzt, die Erbsünde zu büßen, allem Sündigen fern zu bleiben und nur Ihm zu dienen, indem sie sich in ein Kloster begeben oder als Nonne in einem Siechenhaus den Armen und Kranken helfen.
In der Gesellschaft des Ceridentums wird die Frau oft von offiziellen Anlässen, die religiöser Art sind, ausgeschlossen. So ist es in vielen Gemeinden Brauch, dass Männer und Frauen in den Kirchen getrennte Sitzreihen zugewiesen bekommen und letztere die schlechteren Plätze einnehmen. Auch ist ihnen die Seelsorge einer ceridischen Gemeinde verwehrt. Einen Ersatz dafür können sie nur erhalten, wenn sie sich entscheiden, eine Nonne zu werden. Ein Nonnenkloster wird von einer Äbtissin geleitet.
Im weltlichen Bereich wirkt sich die Erbsünde nicht wesentlich aus, jedoch traut man den Frauen prinzipiell weniger zu und gewährt ihnen weniger Vorteile und Rechte.