Alle Beiträge von Ann-Christin

Die heiße Schlacht am kalten Buffet – Reinhard Mey

Gemurmel dröhnt drohend wie Trommelklang,
gleich stürzt eine ganze Armee,
die Treppe herauf, und die Flure entlang,
dort steht das kalte Buffet.
Zunächt regiert noch die Hinterlist,
doch bald schon brutale Gewalt,
da spießt man, was aufzuspießen ist,
die Faust um die Gabel geballt.
Mit feurigem Blick und mit Schaum vor dem Mund
kämpft jeder für sich allein,
und schiebt sich in seinen gefräßigen Schlund,
was immer hineinpaßt, hinein.


Bei der heißen Schlacht am kalten Buffet,
da zählt der Mann noch als Mann,
und Aug‘ in Auge, Aspik und Gelee,
hier zeigt sich, wer kämpfen kann, hurra!
Hier zeigt sich wer kämpfen kann.


Da blitzen die Messer, da prallt das Geschirr
mit elementarer Wucht.
auf Köpfe und Leiber, und aus dem Gewirr,
versucht ein Kellner die Flucht.
Ein paar Veteranen im Hintergrund
tragen Narben auf Stirn und Gesicht,
quer über die Nase und rings um den Mund,
wohin halt die Gabel sticht.
Ein tosendes Schmatzen erfüllet den Raum,
es rülpst und es grunzt und es quiekt.
Fast hört man des Kellners Hilferuf kaum,
der machtlos am Boden liegt.


Bei der heißen Schlacht…


Da braust es noch einmal wie ein Orkan,
ein Recke mit Übergewicht
wirft sich auf’s Buffet im Größenwahn,
worauf es dann donnernd zerbricht.
Nur leises Verdauen dringt noch an das Ohr,
das Schlachtfeld wird nach und nach still.
Aus Trümmern sieht angstvoll ein Kellner hervor,
der längst nicht mehr fliehen will.
Eine Dame träumt lächelnd vom Heldentod,
gebettet in Kaviar und Sekt,
derweil sie, was übrigzubleiben droht,
blitzschnell in die Handtasche steckt.


Das war die Schlacht am kalten Buffet,
von fern tönt das Rückzugssignal.
Viel Feind, viel Ehr‘ und viel Frikassee,
Na denn: „Prost“ bis zum nächsten Mal, hurra!
Na denn: „Prost“ bis zum nächsten Mal!

Im Badehaus – Ougenweide

Reinlichkeit ist mir ein Graus
Doch ich geh‘ ins Badehaus
Um im Bade zu verweilen
Muss ich nun von dannen eilen
Zupf‘ mit Wollust meinen Bart
Meinen Körper will ich kühlen
Wonnen ganz besonderer Art
Kann man nur im Wasser fühlen


: DüDüDüdüdüdüdü :


In der Therme angelangt
Wird mein Wamst mir abverlangt
Allerliebste Zuckerdinger
Schneiden Nägel mir vom Finger
Eine andere, frisch und fein
Stutzt den Bart mir und die Haare
Und lässt sie vergessen sein
All die vielen Hungerjahre


: DüDüDüdüdüdüdü :

Ein dicker Mensch, mit Fett betalgt
Mir die Hinterbacken walkt
Man bestreuet mich mit Puder
Setzt mich in den Badezuber
Heißes Wasser gießt man nach
Und die Haut zeigt Krebsesröte
Au, schrei‘ ich und weh und ach
Man kocht mich wie eine Kröte


: DüDüDüdüdüdüdü :


Wird dies alles überstanden
Ist der Körper fast zuschanden
Doch dann kommt der Teil der Freude
Gern ich dran ein Wort vergeude
Man bringt Schinken, Sülze, Speck
Wein und Bier und auch Liköre
Brot und Kuchen und Gebäck
Das nicht etwa mir zu Ehre
Nein, da muss bezahlet sein
Schinken, Sülze, Bier und Wein
Auch der dir fast brach die Knochen
Und dich tat wie Schinken kochen
Alle die musst du bezahlen
Sogar der Mägde Freundlichkeit
Teuer sind die Badequalen
Schrecklich ist die Reinlichkeit


: DüDüDüdüdüdüdü :

Die wilde Jagd – Faun

Ein Mädchen kommt vom Tal ins Dorf
So lieblich und so fein
Da sieht der schwarze Müller sie
Und will ihr Liebster sein
„Geh fort, du dunkler Müller, du
Und lass mich friedlich sein
Den Kranz, den dich so lange hielt
Will ich mit dir nicht teil’n.“

: Lauf, Liebes, lauf
Und pass gut auf dich auf
Der Herr der schwarzen Mühle
Will dich heute Nacht zur Frau :


Da ward sie eine Schwalbe
Entflog ihm himmelwärts
Der Müller aber flug als Falke
Ihr schon hinterher
Sie ward zu einem Ross so weiß
Sprang durch das erste Gras
Er aber war der Sattel, der
Ihr fest am Rücken saß

: Lauf, Liebes, lauf…:


Sie ward zum weißen Hasen
Und lief die halbe Nacht
Der Müller aber ward zum Fuchs
Und setzte ihr gleich nach
Sie ward ein Schiff auf hoher See
Und fuhr weit fort vom Land
Er aber ward der Steuermann
Der fest am Ruder stand


: Lauf, Liebes, lauf…:


So ging diese verhexte Jagd
Nun schon die lange Nacht
So dass der Müller voller Gier
Den Mogen übersah
Das Mädchen ward zum Morgenlicht
Das durch das Tale schien
Der schwarze Müller fand ein End
Und ward nicht mehr gesehen


:Lauf, Liebes, lauf

im Morgenlicht nach Haus
Den Müller siehst du nimmermehr
Und die wilde Jagd ist aus:

Schrei es in die Winde – Faun

Der Wind ist schwach, die Vögel still,
Dein Atem flach, das Herz pocht wild
Der Boden nass, der Morgen kalt,
Was suchst du hier allein im Wald?
Dein Kleid ist schön, die Haut ist zart,
Du fürchtest dich, dein Blick erstarrt
Was hat Dich hergetrieben? Sprich!
Wie kam der Schmerz in Dein Gesicht?


Keiner wollte Deine Tat verstehen, Deine Worte niemand hören
:Schrei es in die Winde, Schrei es in die Ferne:


Du bist verstoßen aus der Welt,
Du bist auf Dich allein gestellt,
Die Waldluft hüllt Dich tröstend ein,
Sie scheint dir Freund und Schutz zu sein,
Du hast den Kampf noch nicht verloren,
Du kommst zurück, hast Du geschoren!
Und wenn die Hexe wiederkehrt,
Dann bleibt kein Richter unversehrt


Keiner wollte…

Dein Anblick – Schandmaul

Hätt‘ ich einen Pinsel zu zeichnen dein Antlitz
Den Glanz deiner Augen, den lieblichen Mund
Ich malte die Wimper, die Braue, dein Lächeln
Wie ich es erkannte in jener Stund‘
Hätt‘ ich eine Flöte zu spielen die Klänge,
Die von deiner Anmut und Schönheit erzählen
Ich spielte den Reigen der himmlischen Tänze
Wie in den Gedanken, die mich seither quälen


Doch weder Bilder noch Klänge noch Wort
Könnten beschreiben, Was an jenem Ort
mit mir geschehen, als ich dich gesehen
Du in jener Nacht den Schein hast entfacht
:Die Sonne die Sterne tragen Kunde von dir
Jeder Lufthauch erzählt mir von dir
Jeder Atemzug, jeder Schritt trägt deinen Namen weit mit sich mit:


Hätt‘ ich eine Feder zu schreiben die Worte
Die dich umgarnen wie silbernes Licht
Ich schriebe von Liebe, von Nähe und Hoffnung
Und schrieb‘ die Sehnsucht hinaus in das Nichts


Doch weder Bilder …