Jakub Pfefferpfennig schaute zum geschäftigen Treiben draußen am Hafen. Alle seine Freunde musste er in Battania zurücklassen. Gut, er hatte keine, aber selbst diese blieben. Außer beim Schützenverein war er nicht gemacht für Umzüge. Schon gar nicht den Wohnort betreffend. Aber was tun? Noch konnte er sich weder Bürgerbrief noch Eheweyb leisten und war auf Gedeih und Verderb … sey’s drum! Ein Blick auf Böttchers wandbefestigtes Portrait der Erbaulichkeyt brachte den Handelsdiener wieder zur Vernunft.
Damals, als seyn alter Brotherr, das Handelshaus Habenichts, in den Ruin ging und keiner den Pfefferpfennig für einen Hungerlohn einstellen wollte, da kam Böttcher und stellte ihn für einen Hungerlohn ein. Das wird er ihm niemals vergessen.
Obgleich die Bürostühle in Wilgau nicht ergonomisch waren. Doch das war egal, da die guten Angestellten sowieso nur auf den Knien lagen, entweder vor dem Augenkreuz des Eynen oder vor dem Gemälde ihres Patrons.
Und der Lohn ist seither ganz gut gestiegen und auch seine Aufgabenbereiche haben sich ausgeweitet. Als der Handelsherr und Senator der mittelländischen Hanse die Belegschaft fragte, wer nach Wilgau versetzt werden wolle, da meldete sich niemand. Als er fragte, wer zum vollmachtsbefreiten Secretarius der Hanse ernannt werden wolle, da meldete sich Jakub zuerst. Und er wurde ernannt und er wurde zum Hansekontor versetzt und das liegt in Wilgau. Gleich neben der hauseigenen Partenreederei.

Während die Kaufleute in Gergonsmund Dienstleistungen ihrer privaten Hafenkontore teuer vermieten, werden mittelländische Hansekontore von der Stadt betrieben und stehen jedem Hansemitglied für wenig Kosten zur Verfügung. Die Stadt versprach sich dadurch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Solch profitträchtige Potenzia wollte Böttcher nun nimmer ungenutzt belassen, gerade wo sich doch sein wichtigster Wirtschaftsbereich hier befand, die Reederei. Ob er sich damit Feinde in der eigenen Heimat den Kaufmannslanden machte? Ob der Böttcher wirklich einen Riecher hatte und Wilgau zur neuen Handelsmetropole aufsteigen könnte? Wenn man nur genau wüsste, wer, wann, wie, wo, was orderte. Als Hansesecretarius hatte Jakub nun Zugang zu Listen, zu Listen und Tabularien. Aber auch Verpflichtungen dem Hanseverband gegeüber. Diente er nun zwei weltlichen Herren?
Zumindest lagen schon die ersten klimpernden Zuwendungen auf dem Tisch. Denn wo ein Kontor frei zugänglich, da bieten die Leute etwas für kürzere Wartezeiten.
Sein Patron wollte nun Kalkulationen veranlassen. Und Jakub verstand das. Jeder verstand das. Sogar der Wirt in Battania, der ihm jedesmal hinterherlief und rief: „Zahlen! Zahlen! Zahlen!“. Man solle neben Gebet durch geschicktes Kalkulieren hinter verborgene Geheimnisse kommen können gleich der Wahrsagerey. Und hier gab es endlose Listen und Tabellen. So begann sich Jakub nochmal die Grundlagen einzuschärfen; „3 plus 4 ist 7! 8 plus 5 ist 13!“ als sein Blick auf einen Brief mit Absender der Hauptgeschäftsstelle fiel. Ein Antwortschreiben auf seine Frage, wer denn die Umzugskosten übernähme.
„Gemäß den Statuten des BHV (Böttcherhausvertrag), werden Umzugskosten bei dienstlichen Belangen, wenn sie länger als 12 Monde dauern übernommen.“
„Zwölf Monde also…“ Jakub rief sofort zu den Möbelträgern herunter „Lasst euch Zeit!“
