Tagebuch Elder Theo Con 2019

Als wir eine Einladung zu einer Art Tourney auf Westfora erhielten, fiel das zusammen mit dem Ende des Einsatzes unserer Freunde aus dem Helwart Orden in Siebenhöfen. So beschlossen wir, gemeinsam zu reisen. Dadurch fühlte gerade ich mich besonders sicher, denn nach der Warnung durch Hanna und den heimtückischen Angriff des Diebs/potenziellen Mörders, der mich die Beweglichkeit meines linken Arms für lange Zeit einbüssen ließ, sah ich überall Gefahren und war zutiefst verunsichert, auch wenn das wahrscheinlich niemand wusste, da ich es zu verbergen suchte.
Etwas Erfreuliches gab es dennoch zu berichten, der Baron von Siebenhöfen hatte eine selbst geschriebene Nachricht an mich geschickt, zusammen mit einem Paket. In dem Paket befand sich alles, was ein Heiler braucht, sogar eine Knochensäge war dabei und alles geschmückt mit dem Wappen des Barons, der Eule. Das Schreiben war kurz und knapp, doch ich glaubte, vor Freude und auch Stolz zu platzen, stand da doch, das ich auf Reisen seine bevorzugte und vertraute Heilerin sei und diese Werkzeuge seinen Dank für geleistete Dienste ausdrücken sollten. Ja, so war er der gute Baron Ortwin. Natürlich habe ich mich artig bedankt, ich kann ja auch höflich sein. Manchmal.
Doch zurück in das hier und jetzt.



Wir reisten gen Westfora und aufgrund der vielen Leute um mich herum, zu denen natürlich auch Henna gehörte, fühlte ich mich sicher und unbeschwert, wie schon lange nicht mehr. Das änderte sich, als wir an unserem Zielort in Westfora ankamen, wo sich schon allerlei Nordleute tummelten. Instinktiv hielt ich mich bei Henna, der mir zubrummelte, dass er nicht von meiner Seite und ich nicht von seiner weichen sollte. Ich nickte nur und begrüßte dennoch meinen alten Freund Halfdan freudestrahlend, lange hatte ich den Nordmann mit den langen Ohren schon nicht mehr gesehen. Doch ihm fehlten nicht nur seine Ohren, anscheinend auch sein Gedächtnis, denn er erkannte mich nicht. Seine Gefährtin Runa dagegen begrüßte mich herzlich und erklärte, Halfdan hätte einen Zusammenstoß mit einem Dämonen gehabt. Ich nickte nur und ging mit den anderen weiter zum Lager des Helwart Ordens, das schon aufgeschlagen war. Gerrin Rothand und Amateras Frühgrau waren schon dort. Es gab ein freudiges Wiedersehen und viel zu erzählen.
Als unsere Gastgeber, die Tourney Veranstalter, zu Speis und Trank riefen, schauten einige, mir fremde, Menschen mich seltsam an, einmal meinte ich auch, meinen Namen gehört zu haben, doch das war bestimmt nur Einbildung.

Während des Essens sah Marder von der Fuchsbrigade einmal zu mir herüber, das mir Angst und Bange wurde, denn mein Traum von damals fiel mir wieder ein. Nach dem Essen stellte Marder mich, indem er den Weg versperrte und ich musste schlucken, denn sein Gesicht war noch unergründlicher als sonst. Ohne Umschweife und freundliche Einleitung, denn das ist nicht seine Art, sagte er „Es gibt Leute, die suchen dich, die wollen dir nichts gutes, aber ich habe dafür gesorgt, das jeder hier dich beschützen wird. Wir alle passen auf dich auf“.
Ich gestehe, ich war sprachlos, nicht nur über die Bestätigung der Drohung, vielmehr darüber, dass dieser sonst so verschlossene Mann persönlich für meine Sicherheit gesorgt hatte, und das, wo ich dachte, er mag mich noch nicht einmal besonders.
Bevor ich groß etwas sagen konnte, nickte er mir einmal zu und ging, damit war das Thema für ihn erledigt. Und tatsächlich immer spürte ich Blicke auf mir, vor allem, wenn ich wirklich einmal alleine unterwegs war, was nicht oft der Fall war.

Als der Tod erschien, und eine Ansprache hielt, darüber, dass er den Streit auf Westfora beenden wollte, wurde er von Krieg und Viktoria unterbrochen, die wie immer einen großen Auftritt forcierten. Sie tönten herum und ich hab nicht alles verstanden. Als Krieg gehen wollte, und Viktoria nicht, tötete Krieg einen seiner Anhänger kaltblütig. Ich wollte zu ihm eilen, doch jemand hielt mich fest und schüttelte nur den Kopf. Es war in zwei Richtungen deutlich, der Mann war tot und selbst wenn nicht, derjenige, der mich aufgehalten hatte, hielt meinen Arm fest, bis ich nachgab. Unter den Anwesenden herrschte Verwirrung, Unglauben und zum Teil auch eine Art von Langeweile, die ich nicht ganz verstehen konnte.
Als ein Gebäude entdeckt wurde, das vorher nicht wirklich da war und das man betreten konnte, war natürlich sofort meine Neugierde geweckt. Henna, Brom Halfdan und ich machten uns irgendwann auf, das Gebäude zu erkunden. Vor allem, als wir hörten, das darin wohl Schätze zu finden seien. Ich bin nicht auf Gold oder Silber aus, aber als Heiler nehme ich gerne auch Bezahlungen an, um teure Heilmittel kaufen zu können.

Ach, wie gruselig das war, lauter Spinnenweben, irgendetwas traf mich schmerzhaft in den Rücken, bis ein gehörntes Wesen an mir vorbeilief, es hielt ein blaues Licht in der Hand und rief immer wieder „geht nicht ohne das Licht, dann kommt die Spinne“. Und wenn ich die Spinnenweben betrachtete, die an meinen Haaren und meiner Kleidung zerrten, dann wollte ich die Spinne nicht treffen. Wir kämpften uns durch vielerlei Gänge, um etliche Windung und standen plötzlich auf einem Friedhof. Mit meiner kleinen Laterne entzifferten wir etliche Namen, wussten aber nichts damit anzufangen. Als sich ein allgemeines Heulen und Klagen von wortlosen Stimmen erhob, lief es uns kalt den Rücken herunter und wir verließen den Friedhof schnell wieder. Auf dem Rückweg gerieten wie an ein Lavafeld, das wir geschickt überwinden konnten. Aber wir hatten Henna verloren und dann kam eine riesige Schlange von bestimmt dreifacher Manneslänge. Halfdan und Brom schlugen sofort auf sie ein, ich drückte mich in eine Wand und die Schlange schlängelte vorbei.

Plötzlich stand ich wieder im Eingang, doch Brom und Halfdan waren noch in dem Haus, so es denn eines war. Als auf einmal Halfdan aus dem Haus geflogen kam und schwer atmend liegen blieb, sahen wir voller Entsetzen, dass er mehrfach von der Schlange in den Bauch gebissen worden war. Seine Frau, Professor Doktor Doktor Moriot und meine Wenigkeit kümmerten uns sofort darum, ihm sein Leben zu retten, aber alles aufschneiden, Gift ausbrennen und dergleichen mehr half nicht, und Halfdans Herz hörte auf zu schlagen. Wilma kam herbei, ich bat sie um Hilfe, sie hielt Halfdan irgendwie am Leben, bis Moriot mit einen Gegengift zurückkam.
Es gelang Halfdan ins Leben zurückzubringen, ihn zuzunähen und in sein Lager zu bringen, eine Stunde später saß er schon wieder fröhlich zechend an seinem Tisch. In einigen ruhigen Minuten ließ ich die Ereignisse des Tages an mir vorbeiziehen und blieb bei dem Bild hängen, das sich in Halfdans Gedärmen gezeigt hatte. Vor Jahren hatte ich Halfdan einmal operiert, doch im Vergleich dazu sahen seine Gedärme jetzt irgendwie zu klein und verkümmert aus…irgendwie seltsam.
Als der Marder und Luchs in das Haus gingen, kamen sie mit Spinnenbissen wieder heraus, zumindest Luchs hatte zwei oder drei Bisse, die ich in unserem Lager schnell versorgte.

Während die beiden noch bei uns saßen, ich mit dem Rücken zur Dunkelheit, hörte ich auf einmal meinen Namen und sprang erschrocken auf, hinter mir stand der Mensch oder was auch immer es war, der uns verboten hatte, sich seinem Zelt auch nur zu nähern, sonst würden wir sterben. Marder und Luchs waren sofort auf den Beinen und stellten sich zwischen mich und den unheimlichen Mann mit den verbundenen Augen.
Er sprach mich erneut an, meinte, ich hätte einen Verlust erlitten und er wolle mir gerne diese Erinnerung abnehmen. Mich schauderte und ich erwiderte unsicher, aber doch recht grob, das was auch immer in meinem Kopf ist, ihn nichts anginge. Er versuchte erneut, mich zu locken, doch da sagte Marder ihm, in seiner unnachahmlichen Art, dass es Zeit wäre, für ihn zu gehen. Erst als der Mann verschwand, merkte ich, wie mir mein Herz bis zum Hals geschlagen hatte. Ich wurde wirklich langsam verrückt, überall sah ich Gespenster, die mir böses wollten. Doch der Angriff kam schließlich wo ganz anders her, von völlig unerwarteter Seite.
Als Marder und Luchs sich verabschiedeten, blieb ich mit Henna im Lager des Helwart Ordens. Dort verbrachten wir den restlichen Abend bei einigen guten Spezialitäten der flüssigen Art. Dabei sollte ich Amateras erklären, was es mit der Warnung auf sich hatte, was ich aber nicht konnte, denn ich wusste nicht, warum mich jemand suchen würde.

Ja, ich bin schon fast fanatisch wenn es um das heilen geht, unbeherrscht und regelrecht grob, wenn man mich von Verletzten fernhalten will. Und ein großes und oft genug ungezügeltes Mundwerk habe ich,  mit dem ich weiterhin den Baron von Champa und Lammfromm der tausendfachen Zerstörung von Leben in Siebenhöfen bezichtige. Doch soweit ich wusste, hatten sie keine Kontakte zu Nordleuten.

Bis Halfdan erzählte, Lammfromm wäre sein Waffenbruder. Meinen Zorn über diese Kreatur nicht länger im Zaum haltend, fuhr ich Halfdan an, wie er nur einem Kindermörder Freundschaft anbieten könne, er solle sich schämen. Darauf hin verlangte Halfdan von Amateras, das ich mich entschuldigen solle, für diese Beleidigung. Gerrin und Amateras haben Halfdan aber erklärt, warum ich so reagiert habe, woraufhin Halfdan aufstand und im Namen aller Götter versprach, er würde jedem Fremden „aufs Maul hauen“, der mir etwas Böses wollte.
Und ich entschuldigte mich für die Beleidigung, blieb aber dabei, dass ein ehrenhafter Nordmann keine Kinder tötet, dass selbst Söldner, sofern sie nicht das letzte Pack wären, keine Kinder in ihren Betten verbrennen. Lammfromm aber war genau dafür verantwortlich. Marder und Luchs, die bei uns saßen, stimmten aus vollem Herzen zu.
Irgendwann zog ich mich zurück um mich von der Reise auszuruhen.

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