Obstqualität

Der Qualitätsprüfer der Mittelländischen Hanse hatte sein Gründlichstes getan und wandte sich wieder an die umherstehenden wilgauer Marktbesucher.

„Nun, es war klug, mich zu rufen, denn euer Verdacht – so traurig er auch ist, so wahr muss ich ihn hier aussprechen, hat sich bestätigt. Es handelt sich um Schundware.“ Damit zeigte er auf einen Obstkorb.

„Ach watt, icke hab nen Zertifikation!“ beschwerte sich der Obstverkäufer. „Feinste mittelländische Baumsüßwaren!“ Damit hob er ein besiegeltes Papier hoch und hielt es in die Runde. Man konnte es aber nicht so recht erkennen, da viele Fliegen herumschwirrend die Sicht raubten.

Der Warenprüfer nahm sein Vergrößerungsglas zur Hand und begutachtete. „Wie vermutet, ein Honse Zertifikat!“

„Honse, Hanse, Qualität ist Qualität und Siegel ist Siegel!“

„Ihr irrt! Niemals würde die Hanse solche Waren zertifikieren. Schon die Anzahl der Fliegen und Würmer übersteigt die festgelegte Höchstgrenze deutlich. Die Ware ist Schund!“

Kaum dass die Marktbesucher die gehört, griffen sie nach Obst, um den Händler zu bewerfen. Doch der Kontrolleur warf sich dazwischen. „Haltet ein, nicht das gute Obst! Für so etwas gibt es extra zertifikiertes Wurfobst! Frisches Obst ist dazu ungeeignet. Im Gegensatz zu diesem hier!“ womit er auf das Gammelobst verwies.

„Jo dann zerzitiert mir das mal!“

„Nun denn, Pflicht ist Pflicht, selbstverständlich!“

Also bekam der Händler sein Hanse-Siegel und die Leute griffen zu. Nun stürzte sich erneut der Kontrolleur zwischen sie und den Händler. „Herrschaften, ich bitte euch! Bewerft nicht jemanden, der ein ordentliches Zertifikat auf seine Waren besitzt!“

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