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Gerechtigkeit für alle …. Reichen

Liebe Leser

Seit geraumer Zeit werden Leichen gefunden, stets gebrandmarkt mit etwas das wie eine Distel aussieht. Als es sich nur um Huren und Trinker handelte, schien es die Wache nicht zu interessieren. kaum handelt es sich jedoch um einen Bischof der örtlichen Kirche, kommt Bewegung in die Wache. Dabei weiß doch jeder, vor allem die Blinden und Tauben, das Crand Shempert die Kollekte nur in die eigene Tasche gesteckt hat und Bettler eher verprügeln ließ als ihnen etwas zu geben.
Und auch die Frauen waren nicht sicher vor ihm.

Wie auch immer, die Wache untersucht den Tod und da man weiß, wer das Opfer ist, wurde auch sein „Wirkungskreis“ untersucht. Dort fanden sich leuchtend gelbe und schwarze Fäden, die miteinander verwoben waren, wie zu einem Stück Stoff. Als nächstes soll die Wache alle Träger solcher Farben befragen und natürlich auch alle Tuchhändler, an wenn sie solche Stoffe verkauft haben. Aber wer sich auf Trum auskennt, der weiß dass die Auswahl Trägern dieser Farben recht gering ist.

Wir werden das weiter verfolgen, auch wenn die Wache unserem Schreiber schon mit „Folgen“ gedroht hat, sollte weiter darüber geschrieben werden.

Brevon Friede
Schreiber des Wiedener Herolds

Irgendwo auf Eggertsland

Ein langer, reich geschmückter Pier, der den geneigten Besucher trockenen Fußes vom Schiff auf den steinernen Pfad führt. Dieser Pfad ist eigentlich ein Prachtweg. Breit genug, dass vier schwer gerüstete Männer unter Waffen bequem nebeneinander gehen können. Der Boden wirkt ganz natürlich, doch dies bezeugt nur die meisterhafte Arbeit der unbekannten Steinmetze, die diesen Pfad in liebevoller Kleinarbeit angelegt haben. Mauern fassen den Weg ein, sie sind mehr Zierde als Schutz, und ebenso liebenvoll gearbeitet wie der Weg selbst. Hier und da sieht man zufällig wirkende Öffnungen in der Mauer.  Manche erlauben es, auf andere Pfade zu treten, die jedoch nicht so kunstvoll wie der Hauptweg sind. Die Mauer selbst ist geschmückt mit unterschiedlichen Reliefs, die Tiere des Meeres, des Landes und der Lüfte darstellen.
Reißt sich der Blick los von diesen Kunstwerken, die wirken, als ob sie gleich lebendig werden, und folgt dem sich windenden Pfad, erblickt man gepflegte Blumenbeete. Die Büsche sind sorgfältig gestutzt, selbst die Bäume scheinen beschnitten worden zu sein. Alles wirkt wie ein sorgfältig inszeniertes Bild, wunderschön und einschüchternd zu gleich.
Der Weg, der das Laufen so mühelos macht, zieht sich in sanften Windungen hinauf auf eine Klippe.
Dort steht, wie ein Juwel, ein kleines, aber feines Gebäude. Türmchen zieren die Ecken des Dachs, das von einer rundum laufenden Wehr eingeschlossen wird. Die Mauern des Hauses sind so hell verputzt, dass sie beinahe blenden, bis man näher herangekommen ist und kleine Details entdeckt, die den Blick so lange gefangen nehmen, bis man schließlich vor dem imposanten Gebäude steht. Eine Tür, vielmehr ein kleines Tor mit zwei Flügeln, erlaubt den Zugang zu dem Gebäude. Wie bei den Mauern auf dem Weg zieren feinste Holzschnitzereien das Tor. Sie zeigen ebenfalls die unterschiedlichsten Kreaturen und es macht den Eindruck, als ob die Künstler alle diese Wesen schon einmal selbst gesehen haben.
So Ehrfurcht gebietend wirkt das Tor, dass der Blick unwillkürlich an dem Gebäude hoch gleitet und nichts als feinstes Handwerkskunst sieht. Die Scheiben der Fenster sind zum teil gefärbt, sodass das einfallende Licht bunt gefärbt wird. Die Fenster selbst sind eingefasst von Holzrahmen, die fest in schwarzem Stein verankert sind. Um die Fenster zu schützen, wurde jedes mit hölzernen Blenden versehen, deren Holz in der Sonne zu einer Elfenbeinfarbe verblichen ist.
Dreht man sich vor dem Haus um, und schaut den Weg hinunter den man hinauf gewandert ist, verliert er sich genauso unter den gepflegten Bäumen, wie man von unten das Haus nicht sehen kann.
Alles wirkt wie ein Traum… Wunderschön, elegant, exklusiv, teuer. Man erwartet Wachen, die verhindern, dass Unbefugte über den wertvollen Weg laufen, einfach so in die Nähe des Hauses kommen. Doch erst, wenn man darüber nachdenkt, merkt man, dass jedes Leben fehlt.
Menschliches Leben zumindest.
Und das nicht, weil die Bewohner auf Reisen sind

Ein Kopfschütteln. Ein Blinzeln. Ein massieren der Nasenbrücke. Unbehagliches Schulterrollen. Erneut ein Kopfschütteln.

Und alles, was zuvor zu sehen war, ist verschwunden, zurück bleiben nur Ruinen, die den Eindruck tiefster Traurigkeit vermitteln. Sie berichten von Träumen, von Wünschen und von dem Versagen selbiger. Was passiert ist, weiß niemand. Doch niemand betritt diese Ruinen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Selbst das reich geschmückte Eingangstor des Hauses wurde niemals aufgebrochen, sondern wurde ein Opfer der Zeit. Von viel Zeit. Irgendwo auf Eggertsland.

Welch ein Skandal!

Erneut schwamm im Hafenbecken von Rosto Nevilla eine Leiche, entblößt, und mit einer durchschnittenen Kehle offensichtlich ermordet. 
Doch diesmal waren die Wachen eifrig dabei Spuren zu suchen, die es nach einigen Stunden im Wasser nicht mehr gab. Der einzige Hinweis, den es zu sehen gab, und ich habe ihn selbst gesehen, war die Distel die in die Brust des Mannes geschnitten worden war. Ob dies vor oder nach dem Tod geschah, kann ich euch nicht sagen. doch ich kann euch mitteilen, das nicht nur die Distel, sondern auch eine kurze Botschaft in den Bauch des Mannes geritzt wurde. Sie lautete: Welch ein Skandal! weiterlesen

Elders Antwort

Als der Nebel sich bildet, sieht Elder erstaunt hoch und festigt den Griff um die Kräutersichel in ihrer Hand. Ein nutzloses unterfangen, sollte etwas Bösartiges aus dem Nebel kommen, aber so fühlt sie sich besser. Der Mann, der aus dem Nebel tritt, macht es nicht besser, so dass der kleine Korb mit den geschnittenen Herbstzeitlosen auf dem Boden landet. Doch noch sagt sie nichts und zieht nur eine Augenbraue hoch, als er nach ihr fragt. Die nächste Frage führt zu einem definitiven Stirnrunzeln.

Vor allem, als er einfach so den Nebel wieder verschwinden lässt. Das wurde ja immer bunter. Irgendwann scheint er sich auch zu besinnen, weshalb er anscheinend gekommen ist und überreicht den Brief Stilars, der mit einer Distel geschmückt ist. Schon wieder eine Distel!
Dem Boten dankend, schlägt sie ihm vor, doch im Gasthof des nahen Dorfes Unterkunft zu finden, so er sie denn nötig hat. Währenddessen hat sie die ganze Zeit die kleine, dafür umso schärfere, Sichel in der Hand verborgen, Hennas wilde Ideen sind doch nicht spurlos an der eigentlich gutmütigen Heilerin vorbeigegangen.

In ihrer Kammer liest sie den Brief, je mehr sie liest desto finsterer wird ihr Gesichtsausdruck, unbewusst schliesst sie die rechte Hand zur Faust, das Mal des Vampirs erinnert sie auch heute noch an jene dunkle Nacht.
Schliesslich legt sie den Brief beiseite und atmet erst einmal tief durch und facht ein Feuerchen an, um sich einen Tee zu kochen, das gibt ihr Zeit, ihre Gedanken wieder zu ordnen.
Mit dem fertigen Tee in der Hand setzt sie sich wieder hin und nimmt eine Feder zur Hand

“Hallo Stillar,

es freut mich, dass du deinen Bruder wieder gefunden hast, und du hast Recht, es ist zu lange her, dass wir uns gesehen haben. Das deine Künste voranschreiten, ist für mich keine Überraschung, du hast das Talent zu einer guten Heilerin und wer viel reist, erlebt auch viel. Das von dir genannte Brennpulver kenne ich nicht, wäre damit aber auch sehr vorsichtig und würde wohl erst einmal damit experimentitieren bevor ich es einfach an Menschen einsetze. Die Wirkung scheint auf jeden Fall erstaunlich.
Das du dich auf dem Schlachtfeld wohler fühlst, kann ich nachvollziehen. Mir geht es mittlerweile so, das ich auf dem Schlachtfeld gegen die Einflüsterung von Furchtflüchen weitestgehend immun bin. Doch das ist nur auf dem Schlachtfeld, eigentlich eher am Rande davon der Fall. Versorge ich einen Menschen nach dem anderen, ist mein Geist zu beschäftigt, um Angst zu haben.
Meinen Glückwunsch zu der vollständigen Entfernung des Warpsteines. Das erste und bisher einzige Mal das ich Kontakt mit so etwas hatte, wusste ich nicht was es war. Zusammen mit einer orientalischen Heilerin schnitten wir einen Stein aus der Brust eines Reisegefährten und deckten die Wunde mit seiner eigenen Haut wieder zu. Um die Wirkung dieses Steins wussten wir jedoch nicht. Die Alchimisten ätzten mir das gesamte Fleisch von den Knochen, ich sah es als Brei von meiner Hand und zischend auf den Boden tropfen. Die Schmerzen waren unerträglich.
Umso mehr freut es mich, dass dir dies erspart blieb.
Ein Priester wäre damals wohl auch hilfreich gewesen.
Doch ehrlich gesagt, mache ich mir grosse Sorgen, wenn ich lese, was dir widerfahren ist und noch mehr, wenn du schreibst, wofür du dich interessierst. Deine Beweggründe verstehe ich schon, auch mich interessiert die Versorgung von magischen Wunden. Willst du dich aber für dieses Wissen wirklich auf das Chaos einlassen? Auf dunkle arkane Künste, die nur darauf warten, deinen wissensdurstigen Geist zu verführen? Sie versprechen die alles und nehmen dir noch viel mehr… „
Hier scheint die ungelenk wirkende Schrift Elters noch steifer zu werden, bevor sie wie zuvor weiter geführt wird.
“Böse Zauberer und Dämonen sind nichts für die ungeübten. Sag bitte nicht, dass du durch Erfahrung mit diesen Dingen geübter wirst. Selbst ein Paladin wäre bei solchen Dingen überaus vorsichtig. Kannst du dir vorstellen, dass einer der Paladine vom Helwart Orden sich mit solchen Dingen aus Neugierde beschäftigt? Neugierde kann hilfreich sein, aber allzu oft ist sie ein tödlicher Fluch.
Und welche Mittel helfen, ist oft davon abhängig, welcher Art die Wunde ist. Es hat mich ein Jahr des Experimentitierens mit vielen Fehlschlegen gekostet, eine Salbe zu entwickeln, die milde Flüche niederer Magie wirkungslos machen kann. Dazu benötige ich unter anderem den seltenen Drachenwurz, den ich schon seit Jahren versuche zu züchten, jedoch ohne Erfolg. Eisenkraut ist auch eine gute Methode, aber wie du schon sagtest, auch sehr selten.
Ich bitte dich instendig, halte dich von derart dunklen Quellen fern.
Wenn du von „Priestern“ schreibst, habe ich dein Eindruck, dass es dir damit nicht wirklich ernst ist, aber das sollte es sein, wenn du diesen Weg gehst.

 
Hoffentlich sehen wir uns bald einmal wieder

Mit den besten Grüssen aus Trum
Deine Freundin Elder

Ein Bote bringt den Brief zu dem Boten, der sich tatsächlich für einen oder zwei Tage im örtlichen Gasthof ausgeruht hat.