Ein grüner Trank

Lange Zeit hatte sich die groß gewachsene Heilerin in der Bibliothek des Hospizes regelrecht hinter Büchern Vergraben, und jeden mürrisch angefahren der sie störte. Das zeigte Erfolg, bald ließ man sie in Ruhe, was Elder nur recht war. So konnte sie nicht nur ungestört die alten Bücher und Rezepte durchsuchen, sondern auch ihren eigenen Taten, Gedanken und Gefühlen nachgehen. Etwas stimmte nicht mit ihr, und das war nicht nur der hilflose Zorn und ein tief sitzender Hass, der sich gegen den Sonnenorden entlud.
Ja sie sollten die gerechte Strafe bekommen, aber Elder war kein Henker, verdammt noch mal! Sie war Heiler, sie hatte geschworen, wenn auch nur sich selbst, jedem zu helfen, der ihre Hilfe brauchte und nun das?
Den Kopf mürrisch schüttelnd, widmete sie sich wieder dem Rezept, dass sie gesucht und gefunden hatte. Einige Zutaten für den Wahrheitstrank waren selten und teuer. Doch um ein beinahe tödliches Verhalten aufzuklären, war es doch gerechtfertigt oder nicht? Zwischen den Grübeleien, dem Suchen und dem Finden eines bestimmten Rezeptes waren einige Wochen ins Land gegangen. Auch die Zutaten waren nicht einfach zu finden.
So einiges hatte Elder auf ihren Reisen in ferne und nicht so ferne Länder schon gesehen, aber Dinge wie Gnomennasenpilze, Kristallbeeren und Rauschbeeren benötigten doch die Handelsbeziehungen in andere Richtungen. Zum Glück gab es genug von dem Süßgras, von dem Anka berichtet hatte, das Nicht-Trumländer etwas seltsam darauf reagiert hatten.
Doch nun kamen die letzten Schritte.
Eine erneute Kontrolle, ja, alles was richtig gewesen, sie hatte gewissenhaft jeden Schritt aufgeschrieben, wenn auch in der ihr eigenen fürchterlichen Schrift.
Nun musste der Trank durch ein Sieb aus jungen Haaren gefiltert werden.
Das war wahrscheinlich das seltsamste, worum Elder jemals gebeten hatte. Die Blicke einer Mutter, die als Bezahlung einen Zopf der Tochter geben sollte, waren berechtigterweise seltsam gewesen. Elder hatte sich auch sehr seltsam gefühlt.
Das knüpfen des Siebes war schwierig, Elders Hände waren fast wieder ganz normal, aber dennoch ein wenig steif. Und nun hielt das Sieb die Reste der Nasenpilze, der Beeren und des Grases, während die Flüssigkeit heraustropfte.
Sorgsam wurde jeder Tropfen in sauberen Phiolen aufgefangen.
Und nach all der sorgfältigen Vorbereiten und der noch sorgfältigeren Zubereitung gab es nun zwei Phiolen mit dem gewünschten Trank. Hoffentlich waren die Nebenwirkungen nicht so stark. Zumindest würden sie nicht tödlich sein, wenn Elder den Text richtig verstanden hatte….

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