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Tyra Tagebuch Elder

Ich reise nicht gerne in der kalten Jahreszeit mit dem Schiff. Das Meer ist immer unberechenbar und im Winter noch mehr. Umso glücklicher war ich, mit Henna reisen zu können, der ebenso wie ich eine Einladung zu der blauen Insel bekommen hatte. Seltsamerweise sind immer alle darauf bedacht, dass niemand erfährt, wo diese Insel ist. Also mussten Henna und ich ein bestimmtes Schiff im Hafen aufsuchen und dort dem Kapitän unsere Einladung zeigen. Dabei war mir wirklich nicht wohl, denn wenn die Tyra Lorena Crew auch ein wilder Haufen ist, so sahen sie wie Lämmer aus im Vergleich zu diesen Gestalten. Doch es ging alles gut und wir kamen heile und recht schnell auf der genannten Insel an.

Dort trafen wir viele bekannte und auch einige neue Gesichter. Die Kapitänin von der Phenix erzählte uns, zusammen mit ihrem Steuermann, von einem knapp zwei Meter großen blauen Huhn, das bei ihnen auf dem Schiff lebt, das keine Eier legt und nicht geweckt werden darf. Sie hatten auch recht interessante Begriffe für Seeräuberei wie „maritime Umverteilung“ oder „die Suche nach militärisch unterlegenen Handelspartnern“.
Dabei wirkten sie eigentlich recht nett und freundlich. Wahrscheinlich, weil Henna sich wohlweislich hütete, seine Profession kundzutun.

Zu den bekannteren Gesichtern gehörte natürlich auch Ashrak, der wie immer grimmig aus der Wäsche, pardon seinem Fell, schaute. Er hatte jemanden mitgebracht, der sich nur als Bruder vorstellte. Henna und ich saßen eine Weile mit zwei Nordmännern am Tisch, die ganz begeistert von meiner Karte waren und sich das Land Trum in aller Ausführlichkeit erklären ließen. Besonders interessiert waren sie am Ceridentum, das ich nicht erklären konnte und an den Soodenwölfen. Vor allem, weil das keine Ly…Lü…Li…Werwolfdinger sind.

Es schien ein ruhiger Abend zu werden, bis ich, am Tresen stehend, hörte, wie jemand von einer sich nicht schließen wollenden Wunde sprach. Natürlich bot ich sofort Hilfe an, auch wenn ich den Mann in Rot, der sich als Darek vorstellte, nicht kannte. Er sprach von einer Wunde, die sich trotz Versorgung nicht schließen wollte, die er aber selbst wohl auch noch nicht gesehen hatte. Er hatte jedoch Silber besorgt. Als ich nachfragte, erfuhr ich das Cassidy von der Tyra Lorena der Verletzte war und Shiba die Wunde versorgt hatte. Nichts Gutes ahnend wollte ich mir Cassidy sofort greifen, der jedoch zu dem Zeitpunkt nicht aufzutreiben war.
Dennoch erfuhr ich mehr zu der Verletzung, von Ava und einem blonden Mann namens Ansgar. Das Ava etwas besonderes ist, wusste ich schon zuvor, auch das wesentlich mehr in dem kleinen Körper steckt, als man auf den ersten oder zweiten Blick sieht.
Was ich dann jedoch erfuhr, werde ich niemals irgendjemand anvertrauen, nicht einmal Mutter Moll oder dem Tagebuch, das ich auf ihr Geheiß schreibe. Das ich Darek belügen musste, fiel mir allerdings relativ leicht, denn so weit war die Lüge nicht von der Wahrheit entfernt. Außerdem ging es um Leute die ich als Freunde ansehe, auch wenn sie das vielleicht nicht tun. Und er ist ein Fremder.

Als Cassidy wieder erschien, waren wir soweit vorbereitet. Als ich ihn bat, mir die Wunde ansehen zu dürfen, die er Darek nicht hatte zeigen wollen, betrübte es mich doch, dass er es nicht tat, weil er mir vertraute, sondern weil Ava es ihm befohlen hatte. Doch das war zweitrangig, die Wunde musste versorgt werden. Was ich sah, hätte mich wohl geschockt, aber ich war vorgewarnt und hatte ähnliche Verletzungen schon gesehen, dennoch tat es mir um Cassidy leid, dessen Brust von vier Krallen aufgeschlitzt worden war.
Für den Notfall bat ich Ashrak um seine Unterstützung, das Henna aufpassen würde, war klar. Ashrak hat jedoch das Talent, alleine durch seine Anwesenheit Leute von dummen Taten, wie übereiltem Schwert ziehen, abzuhalten.
Wie immer ohne eine Miene zu verziehen, setzte Ashrak sich einfach an den „Operationstisch“ und schaute Darek nur an, als dieser ihn halb bat, halb aufforderte, woanders hinzugehen. Ich glaube, die unausgesprochene Botschaft Ashraks kam sowohl bei Darek als auch bei seinem Begleiter an. Selbst als Ashrak wieder aufstand und sich das ganze scheinbar desinteressiert anschaute.
Als Cassidy sich unter Schmerzen auf dem Tisch niederließ, sprach der Begleiter von Pipa mich an, ob er zuschauen dürfe, da er etwas über Heilung lernen wolle. Weder Darek noch ich hatten etwas dagegen, ich weiß aber nicht, ob er sich etwas abschauen konnte, denn erklären konnte ich nicht viel, es war mir wichtiger, Cassidy diesmal endgültig zu versorgen.
Also fingen wir an. Ansgar ergriff Cassidys Hand und zog die Schmerzen aus dem gemarterten jungen Körper, während Darek und ich uns daran machten, die Wunden aufzubrechen und zu reinigen. Leider mussten wir Cassidy dafür recht heftige Schmerzen zufügen, um sicherzugehen, dass aller Dreck fort war.
Darek rechts, ich links, Ansgar hinter mir, Cassidys Hand fest in seinen Händen, versuchten wir alles, um Cassidy ruhig zu halten. Denn einer der Risse durch den Wolf war sehr tief, beinah bis in die Lunge hinein, selbst die Rippe war halb durch.
Als Ansgar rief, er brauchte Hilfe, um die Schmerzen weiter abzuleiten, rief ich Henna heran, doch es musste jemand magisches sein. Ein kurzer Blick zeigte Kapitän Pyro, von dem ich weiß, dass er magisch begabt ist. Er reagierte sofort und half Ansgar und damit uns allen.
Wir schafften es gemeinsam, die Wunden von Cassidy zu reinigen, und ich dankte der Vorsehung, die dazu führte, dass ich die fluchbrechende Salbe eingepackt hatte. Nach der Reinigung gab ich eine Portion davon auf jeden Krallenriss, und wir nähten die Wunden so schnell und gründlich zu, wie es ging. Danach bekam der junge Seefahrer noch zwei saubere Verbände und Schmerzmittel, denn Ansgar konnte nicht die ganze Zeit an Cassidys Hand bleiben.
Zum Glück ist alles gut gegangen!

Nachdem ich Ashrak, Henna, Pyro und den anderen gedankt hatte, wollte Darek direkt wissen, um was für Verletzungen es sich handelte. Meine Erklärung des Soodenwolfes schien er zu akzeptieren. Schließlich beruhte sie auf der Wahrheit. Passend dazu war Cassidys Geschichte von Wäldern, einer Ruine und Wasser, dass er gehört habe, als er angegriffen wurde.
Im Gegensatz zu der Versorgung von Cassidy waren die zahlreichen Schusswunden, die ich an diesem Abend noch versorgen musste, Kleinigkeiten. Ich hatte sogar noch Zeit, mit dem Khajit um ein wenig Schmuck zu feilschen. Auch wenn ich normalerweise kein Geschmeide trage, hatten eine goldene Kette und ein silbernes Armband es mir wirklich angetan. Zusammen mit Henna, der seinerseits ein wenig in den Ringen und dem Geschmeide des Katzenwesens wühlte, feilschten wir ein wenig und ich konnte den Schmuck für 6 Kupfer und zwei Verbände erwerben.
So klang der Abend dann doch noch ruhig bei einigem an Bier und Rum aus.